Münster, Bächle, Bundesligafußball und nun auch noch der Papst – die Liste der klischeebehafteten Kriterien für die überregionale Bedeutung Freiburgs ließe sich beliebig verlängern. Aber die Stadt hat vor allem in kultureller Hinsicht für Menschen in aller Welt, die ein bestimmtes Interesse verbindet, mehr zu bieten. Wer sich beispielsweise für zeitgenössischen Tanz begeistert, der hat im Jahreskalender am 14. Oktober sicher schon lange ein dickes Kreuz gemacht, denn an diesem Tag wird im E-Werk das 18. Internationale Tanzfestival Freiburg eröffnet. Acht Aufführungen, ein Workshop und ein Diskussionsabend zur Zukunft des Festivals in der Stadt und zum Abschluss eine große Feier – das vor 25 Jahren gegründete Festival bietet erneut ein vielversprechendes Programm, doch hinter seiner Zukunft steht ein dickes Fragezeichen.

 

Aki Takase hat Orte in Klang und Melodie übersetzt und Yui Kawaguchi führt einen tänzerischen Dialog mit diesem vertonten Stadtplan – live im E-Werk am 19. Oktober. Foto: Antonella Travascio

 

 

 

Wenige Wochen vor dem fulminanten Start, zu dem die kanadische Ausnahmetänzerin Louise Lecavalier zwei außergewöhnliche Arbeiten mit nach Freiburg bringt, gehen in der Kaserne Basel die dortigen TanzTage über die Bühne. Der Blick über die Grenze erinnert die Künstlerische Leiterin Karin Hönes an eine leider immer noch gültige Anekdote: Bei einem Szenetreffen in der Schweiz unterhielten sich Festivalveranstalter über ihre jeweiligen Budgets und als die Freiburger ihre Zahl in die Runde warfen, meinte einer vom Berner Kulturzentrum „Dampfzentrale“ nur lapidar: „Da habt ihr doch eine Null vergessen, oder?“ Tatsächlich rangiert Freiburg mit einem aktuellen Gesamtetat von 65.000 Euro im Vergleich zu anderen Veranstaltungen dieser Art weit hinten. Das ist einer der Gründe für den Künstlerischen Leiter Wolfgang Graf, der in den 80er Jahren auch das mittlerweile wieder weg gesparte Theaterfestival organisierte, im Rahmen der Jubiläumsausgabe die Frage nach der Zukunft von Festivals in Freiburg zu stellen. Hierzu haben sich in den vergangenen Monaten Kulturschaffende in der Stadt ihre Gedanken gemacht, die bei einer Podiumsdiskussion im Winterer-Foyer des Stadttheaters (24.10.) zur Sprache kommen werden. Von einem genreübergreifenden Festival ist die Rede, das Tanz, Theater und andere darstellende Künste vereinen, sich aber auf künstlerischem Niveau und nicht auf „Event-Level“ abspielen solle. Es könnte im Sommer nach dem Zelt-Musik-Festival stattfinden, aber zu seiner Realisierung müsste die Stadt mehr Geld in die Hand nehmen, als sie bisher für größere Kulturveranstaltungen auszugeben bereit ist.

 

Trotz geringem Etat konnten Wolfgang Graf und Karin Hönes wieder ein hochkarätiges Programm zusammenstellen. Ein Höhepunkt sind sicher die beiden Abende mit Pina Bauschs Tanztheater Wuppertal (26./27.10.) und ihrem legendären Stück „Kontakthof“, die durch eine Zusammenarbeit mit dem Theater Freiburg möglich wurden. Im dortigen Großen Haus ist die Inszenierung machbar, im frisch sanierten E-Werk hätte das Ensemble – wie manche andere Wunschkandidaten auch – nicht spielen können. „Da kann man nicht raus- und reintanzen“, erklärt Wolfgang Graf das Dilemma der fehlenden Seitenbühne. Zu den Gästen, die genug Platz auf der Bühne im E-Werk haben, zählen innovative Choreographen wie der im Hiphop verwurzelte Brahim Bouchelaghem (22./23.10.) und der für seine so intensiven wie poetischen  Auftritte geschätzte Tänzer Emio Greco (28./29.10.). Die Abschlussperformance gestalten alte Bekannte, denn das „Les Slowaks Dance Collective“ (30.10.) feierte vor vier Jahren schon einen großen Erfolg in Freiburg. Bleibt nur zu hoffen, dass ihr aktuelles Stück  „Journey Home“ nicht das letzte sein wird, das bei einem Freiburger Tanzfestival zur Aufführung kommt.

 

Georg Giesebrecht

 

Info & Termine:

18. Internationales Tanzfestival Freiburg

14. bis 30.10.

E-Werk & Theater Freiburg

www.tanzfestival-freiburg.de