In Freiburg gibt es etwa 200 eingetragene Baumpaten. Das sind Menschen, die für die Aktion „Freiburg packt an“ Bäume im öffentlichen Raum pflegen. Dazu gehört etwa, die Baumscheiben (die Fläche, auf der die Bäume stehen) sauber zu halten oder auch wie ein Beet zu bepflanzen. In dieser Beziehung ist Olivia Besters – wie Monika Borodko-Schmidt vom Garten- und Tiefbauamt sagt – eine „Ausnahmefrau“. Die 55-Jährige ist seit 20 Jahren Baumpatin und kümmert sich in ihrem Stadtteil Herdern mit viel Hingabe gleich um zehn Bäume.

Olivia Besters
„Ich wohne sehr gerne hier in Herdern, hier sind meine Kinder aufgewachsen und ich finde dieses Viertel absolut lebenswert. Das möchte ich erhalten – es geht hier auch um meine Lebensqualität. Und um diese zu schaffen, muss man eben auch bereit sein, selbst anzupacken.

Die Leute reagieren eigentlich durchweg positiv auf meine Arbeit. Klar gibt es auch mal einen Handwerker, der auf dem Weg zum Kunden durchs Beet trampelt, weil es ihm gar nicht auffällt, das ärgert einen dann schon. Und einmal hat ein Hausmeister in Unkenntnis meiner Tätigkeit die ganze Baumscheibe einfach abgemäht. Aber die meisten Menschen respektieren die Arbeit, freuen sich über die Mühe und so bekommt man sehr viel schönes Feedback. Alleine schon deswegen kann ich anderen Menschen nur empfehlen, auch eine Patenschaft zu übernehmen.

Ich empfinde es überhaupt nicht so, dass ich hier Zeit opfere – im Gegenteil: Ich hatte früher einen 1000 Quadratmeter großen Garten, jetzt wohne ich im ersten Stock, da freue ich mich jedes Mal, wenn ich ein wenig raus komme und etwas an der frischen Luft tun kann. Für mich ist das entspannend und ich kann hier kreativ sein.

Und finanziell ist die Arbeit auch keine Belastung. Man bekommt von der Stadt extra auf den jeweiligen Boden abgestimmte Samenmischungen mit Wildblumen oder kann sich bei der Ökostation auch Setzlinge abholen. Wenn man allerdings etwas Extravaganteres haben möchte, muss man schon selbst tätig werden.

Allerdings gilt es dabei auch, bestimmte Dinge zu beachten: Je älter die Bäume sind, desto weniger frei kann man auf der Baumscheibe arbeiten. Bei alten Bäumen – wie bei meinen japanischen Zierkirschen in der Urbanstraße – muss man mehr Rücksicht nehmen, dass man die Wurzel nicht verletzt und man muss auch darauf achten, dass man dort Gewächse hinsetzt, die auch Schatten vertragen und nicht so tief wurzeln. Man will ja keine Konkurrenz zum Baum schaffen – es geht schließlich darum, den Baum zu pflegen.

Im Moment habe ich nicht geplant, zu meinen zehn Bäumen noch weitere dazukommen zu lassen – aber wenn ich so durch die Straßen laufe und sehe, wie heruntergekommen manche Baumscheiben sind, dann juckt es mich schon wieder in den Fingern…“

Aufgezeichnet von Felix Holm / Foto: Felix Holm