In der vergangenen Saison waren die Basketballfrauen der USC Eisvögel an 16 Spieltagen an der Tabellenspitze, hatten einen Zuschauerrekord mit rund 1000 Fans pro Heimspiel und wären um ein Haar Deutscher Meister geworden – wäre Wasserburg nicht im Wege gestanden. Im Mai dann ein Paukenschlag: Der Club trennte sich vom Hauptsponsor Rothaus, rund 70.000 Euro gehen dadurch verloren. Wie geht es weiter mit den Eisvögeln? Dominik Bloedner hat sich mit dem Trainer und sportlichen Leiter Harald Janson, 42, unterhalten.

chilli: Es ist ungewöhnlich, dass sich ein Verein scheinbar ohne Not von seinem Hauptsponsor trennt. Der Eindruck entsteht, dass aus einer Laune heraus die Zukunft des Erstliga-Damen-Basketballs aufs Spiel gesetzt wird.
Janson: Dem muss ich heftig widersprechen. Das Projekt Bundesliga, das wir mit den Eisvögeln seit 13 Jahren ununterbrochen erfolgreich betreiben, ist uns viel zu wichtig. Wir und die Brauerei Rothaus haben in den acht Jahren gemeinsamer Zusammenarbeit voneinander profitiert, wir waren durch unsere Erfolge und die Medienpräsenz ein guter Werbeträger. Das finanzielle Engagement von Rothaus war zuletzt rückläufig, die Verträge wurden nur noch für ein Jahr abgeschlossen.


chilli: Die Brauerei war anscheinend nicht mit den Werbeleistungen zufrieden. Haben Sie sich auf der anderen Seite genug ernst genommen gefühlt? Oftmals wird ja Frauensport belächelt. Hat es im Zwischenmenschlichen gekracht? Was genau ist passiert?
Janson: Wir wollen weiterhin die geistige Freiheit haben, das zu tun, was unseren ethisch-moralischen Vorstellungen entspricht. Dazu gehört, keine schmutzige Wäsche zu waschen, sondern den Blick nach vorne zu richten.

chilli: Der Verlust?
Janson: Bei einem Gesamtetat von 280.000 Euro ist der Ausfall natürlich beachtlich.

chilli: Gibt es inzwischen einen Ersatz?
Janson: Wir reden mit ehemaligen Sponsoren und Firmen, die uns nahestehen. Auch neue, potentielle Partner werden angesprochen. Statt eines Hauptsponsors sind mehrere Premium-Sponsoren denkbar. Das ist eine deutlich schwerere Aufgabe, als eine Mannschaft auf das nächste Spiel einzustellen. Ende Juni wissen wir mehr.

chilli: Wird die Mannschaft zurückgezogen? Die Lizenz wurde ja schon erteilt, muss man nun mit einer Strafe seitens der DBBL rechnen?
Janson: Die Strafe wäre das allerkleinste Übel. Ein Rückzug wäre fatal, aber noch ist es nicht soweit. Mit einem schwächeren Kader ohne Profis in die Runde zu gehen würde den sicheren Abstieg bedeuten. Abwarten, wir haben ein großes Selbstwirksamkeitsgefühl, wie es die Psychologen nennen.

chilli: Wie kann man überhaupt mit so wenig Geld den Betrieb aufrechterhalten? Der Basketballer Dirk Nowitzki verdient 30 Millionen im Jahr, jeder Fußballverbandsligist hat einen höheren Etat als Sie. Auch Wasserburg hat dank der Sponsoren Bauer-Joghurt und Meggle-Butter geschätzt 700.000 Euro im Jahr.
Janson: Wir machen das mit viel Ehrenamt und Idealismus. Sicher, auch unsere Spielerinnen bekommen ein Gehalt. Und das immer pünktlich. Unsere Profispielerinnen leben zudem vom Sport. Warum sollte jungen Frauen nicht zustehen, was Männern in derselben Situation zusteht?

chilli: Die abgelaufene Saison? Groß gestartet, grandios gescheitert?
Janson: Natürlich ärgert mich das Aus gegen Wasserburg in den Play-offs. Die haben gegen uns die beiden besten Spiele der Saison gemacht – wie nebenbei die anderen Vereine auch, immer wenn es gegen uns ging.

chilli: Noch einmal, gibt es kommende Saison Erstliga-Basketball in Freiburg?
Janson: Ich hoffe es sehr.

Fotos: © Achim Keller / ns