Am 11. und 12. August zieht Rauch auf überm Höllental und ein schwarzes Ungetüm schlängelt sich durch die Wälder und Schluchten. Die Höllentalbahn feiert unter großem Geschnaufe und Gestampfe ihr 125-jähriges Jubiläum mit drei historischen Sonderzügen, die zwischen Freiburg, Titisee, Löffingen und Seebrugg verkehren. Möglich macht dies der Verein IG 3 Seenbahn. Die Eisenbahnfreunde haben sich 2008 zusammengeschlossen, um den abrissbedrohten historischen Bahnhof Seebrugg zu retten. Seither renovieren sie nicht nur das alte Gemäuer, sondern restaurieren auch alte Loks und Wagen – manche schicken sich gar an und machen für ein paar tausend Euro eine Ausbildung zum Lokführer. Auch der Freiburger Student Florian Jesse lebt derzeit den Kleinjungentraum vom Modellbau im ganz großen Stil.

„Wahrscheinlich sind 90 Prozent von uns auch Besitzer einer Modelleisenbahn“, lacht Florian Jesse. Seine jedenfalls stehe noch im Elternhaus auf dem Speicher. Aber von wegen Modellbau: Wer will schon Miniweichen stellen, wenn er stattdessen im Führerhaus einer 30-Tonnen-Lok durchs Höllental rauschen kann? Um diesen Traum zu verwirklichen, macht der Sport- und Physikstudent zusammen mit zwei weiteren 3 Seenbahn-Mitgliedern derzeit eine Ausbildung zum Lokführer in Karlsruhe. Kostenpunkt: zwei- bis dreitausend Euro. „Das ist aber noch überschaubar“, relativiert der 27-Jährige, „wir bekommen als Verein da Unterstützung, für einen Normalbürger kann das schon einmal 10.000 Euro kosten.“


Bis er allerdings auf den Bock steigen kann, muss auch noch an anderer Stelle einiges getan werden. Der Großteil der Interessengemeinschaft hat ja auch nicht das Ziel, selber Bahnen zu fahren, sondern alte Loks wieder fahrtüchtig zu bekommen beziehungsweise in Seebrugg Schritt für Schritt ein Freilufteisenbahnmuseum aufzubauen. Zehn Jahre sieht der aktuelle Plan bis zur Eröffnung vor, bei Kosten von geschätzten 100.000 Euro.

Den Auftakt zu dem Mammutprojekt gab im Jahr 2008 die Deutsche Bahn selbst – und zwar mit einem geplanten Abriss. „Die wollten den Bahnhof hier dichtmachen, ein paar Eisenbahnfreunde konnten das nicht verstehen und haben daher den Verein gegründet“, berichtet Jesse, „wir sind mit dem Anliegen bis vors Eisenbahnbundesamt gegangen und haben schließlich die Möglichkeit erhalten, das Gelände zu pachten.“

Seither schrauben, hämmern, zimmern und graben die inzwischen 80 Mitglieder hier fast täglich. „Das ist keine Pflicht und nicht alle sind immer dabei, aber gerade wenn wir wieder eine Aktionswoche geplant haben, nehmen sich manche auch extra Urlaub“, erzählt der angehende Lokführer. Und nebenher möbeln die technisch begabteren Lok-Enthusiasten noch alte Fahrzeuge auf: Zwei Güterwagen, die auch am Feierwochenende im August zum Einsatz kommen, sind vom Verein bereits komplett restauriert worden. Das nächste Großprojekt ist jetzt eine E44-Lok, die bis in die frühen 80er noch im Höllental im Einsatz war.

„Es ist allerdings nicht so einfach, an diese alten Bahnen heranzukommen“, weiß Jesse. Inhaber des technischen Ungetüms, das derzeit wieder in Freiburg steht, ist nach wie vor die Deutsche Bahn, die 3 Seenbahner haben das gute Stück nur geliehen und dürfen es bei erfolgreicher Instandsetzung auch benutzen.

Der ausrangierte Zug war zwischenzeitlich auf einem Bahngelände in Koblenz abgestellt worden, über Kontakte zu anderen Vereinen und nach freundlichem Dialog mit der Bahn wurde es auf dem Schienenweg aus der Eifel wieder zurück in den Breisgau gekarrt. Jetzt soll der Stahlkoloss für zigtausend Euro restauriert werden, bis er schließlich durch die offizielle Hauptuntersuchung kommt. „Im Prinzip ist das dasselbe wie beim Auto auch, nur größer und teurer“, lächelt Jesse, „und es dauert halt fünf Jahre – optimistisch gerechnet.“ Aber ein Pessimist würde sich wohl ohnehin nicht an ein solches Modellbauprojekt heranwagen.

Text: Felix Holm / Fotos: IG 3Seenbahn e.V.