Ob Public Viewing, Abi-Fete oder Schlossbergfest: Die Liste der Events, die 2012 ins Wasser fielen, ist lang – und löste in Freiburg eine handfeste Partykrise aus. Im Zentrum stand das Amt für öffentliche Ordnung (AfÖ), dem Gängelei, Willkür und Auflagen nach Gutdünken vorgeworfen worden waren: Dass eine Behörde wie das Ordnungsamt bei Gastronomen und Veranstaltern nicht nur Freunde hat, liegt in der Natur der Sache. Was dem AfÖ – insbesondere Amtsleiter Walter Rubsamen – aber vorgeworfen wird, ging über normale Misstöne weit hinaus. Die Streitereien gipfelten im vergangenen Jahr darin, dass mehrere namhafte Veranstalter frustriert aufgaben. Wie das Rathaus damit umgeht und wie es mit den ausgefallenen Festen in diesem Jahr weitergeht, hat das chilli recherchiert.


Sea of Love: Elektrofans müssen sich noch eine Weile gedulden. Dass es dieses Jahr kein Sea-of-Love-Festival gibt, hatte der Veranstalter Marc Oßwald, Geschäftsführer der Koko Festival GmbH, schon verlautbart. Das Gelände am Tunisee erschien ihm im Nachhinein ungeeignet, durch die räumliche Trennung von Campingplatz, Park-Zone und Partyareal sei der wirtschaftliche Aufwand für Verkehrsführung und Absicherung enorm gewesen. Wie es weitergeht, deutet Oßwald nur vage an: „Der neue Standort liegt weder direkt in der Innenstadt noch im Umland.“ chilli-Informationen zufolge will die Stadtverwaltung übrigens doch nicht gegen die „Mehr Seen Festival GmbH“ klagen. Der Veranstalter hatte die Sea of Love 2011 ausgerichtet, bei der es zu Panik und Tumulten gekommen war. Nun streben Rathaus und Veranstalter eine außergerichtliche Einigung an.

Straßenfest „Im Grün“: Das traditionelle Maifest in der Wilhelmstraße (Sedanquartier) und „Im Grün“ wurde vergangenes Jahr kurzfristig vom AfÖ untersagt – um das zu überwachen, waren sogar Polizisten aufgezogen. Anwohner hatten sich zuvor beschwert, weil es in der Vergangenheit zu nächtlichen Ruhestörungen gekommen war. Dass die Behörde deswegen aber gleich das ganze Fest platzen ließ, war selbst dem Bürgerforum zu viel. „Wir haben (…) ausdrücklich gesagt, dass wir das Straßenfest wollen“, sagten Anwohner damals der Badischen Zeitung. Allein die ungenehmigten Nachtveranstaltungen seien für die Anwohner nicht zu ertragen. Beim Veranstalter hat sich inzwischen Resignation breitgemacht. „Wir wissen noch nicht, was wird“, fasst Horst-Günther Glanz die Stimmung im Quartier zusammen. Der Pächter des Jos-Fritz-Cafés steht seit 26 Jahren an der Spitze des Straßenfestes – bisher zumindest. „Ob ich noch Lust habe, weiß ich nicht. Momentan ist alles in der Schwebe.“ Feiern wolle man aber auf jeden Fall, wenngleich erst mal nur im kleinen Rahmen in der Spechtpassage. „Das ist Privatgelände“, betont Glanz, „dafür brauchen wir keine Genehmigung.“


Schlossbergfest: „Solange Rubsamen Amtsleiter ist, wird es das Schlossbergfest nicht mehr geben.“ Mit diesem Satz hatte Toni Schlegel – einer der Geschäftsführer der Schlossbergfest Freiburg GmbH – dem beliebten Lichterfest 2012 die Lampen ausgeknipst, weil sich die Organisatoren vom AfÖ gegängelt fühlten. Und nun? „Momentan wollen wir dazu keinen Kommentar abgeben“, sagt Schlegel. An den Bedingungen, unter denen auch das Schlossbergfest genehmigt würde, habe sich aber wohl nichts geändert. Auch sei die Verwaltung bislang nicht auf die Veranstalter zugekommen.

Downtown Streetparty: Ob’s klappt, weiß Schlappen-Wirt Frank Czaja noch nicht. Aber er wolle eine Neuauflage versuchen und sei auch optimistisch. Die Party war ein sommerlicher Innenstadt-Event, an dem sich zahlreiche Kneipen und Bars beteiligt hatten, die aber 2011 zum bisher letzten Mal über die Bühne ging. Hauptstreitpunkt waren die strikten Auflagen, die das AfÖ den Veranstaltern vorgeschrieben hatte: So sollten sie permanent alle Gäste zählen und die Daten stündlich per E-Mail an die Behörde übermitteln. „Diesen Aufwand konnten wir einfach nicht stemmen“, sagt Czaja. Der Verein, der die Party bis dato organisiert hatte, löste sich daraufhin auf. Jetzt stünden neue Gespräche mit der Stadt an, und wenn diese erfolgreich verliefen, könne sich der Verein neu gründen. Eine rote Linie dürfe aber nicht überschritten werden: „Wenn es durch die Sicherheitsauflagen so teuer wird, dass wir Eintritt verlangen müssten, dann lassen wir es.“


Die Stadtverwaltung hat derweil ihre Lehren aus der Krise gezogen und dem Gemeinderat am 29. Februar ein neues Konzept vorgelegt. Bislang mussten die Veranstalter sich mit ihren Anträgen von einer Behörde zur nächsten hangeln. Bis Ende März soll nun eine neue Stabsstelle Veranstaltungsmanagement geschaffen werden, für die für 2013 und 2014 knapp 95.000 Euro in den Haushalt eingestellt worden sind. „Hierdurch werden die Gebühren für die Genehmigung von Groß- und Risikoveranstaltungen voraussichtlich deutlich ansteigen“, heißt es in der Drucksache G-13/037. Ursprünglich,so ist aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu hören, sollte die Stabsstelle wohl nicht beim AfÖ angesiedelt werden. Doch daraus wurde nichts: „Aufgrund der zentralen Funktion und der wichtigen Aufgabenstellung“, heißt es weiter, „wird diese Stelle unmittelbar als Stabsstelle der Amtsleitung beim AfÖ zugeordnet.“

Text: Steve Przybilla / Fotos: Steve Przybilla / Pixelio