Eine wahre Diva: Sie stolziert in ihrem roten Glitzerkleid, kokettiert, trägt die Haare kurz und blond gefärbt, gestikuliert wild, hat das Publikum (darunter viele Portugiesen) fest im Griff und jammert die ganze Zeit, dass es hier in Deutschland ja viel zu heiß sei. Und natürlich kann sie auch wunderbar singen, zum Beispiel das Lied „Chuva“, was auf portugiesisch so viel wie Regen bedeutet. Eine Verheißung für all die Schwitzenden, die sich mit dem Fächer vergeblich etwas kühle Luft zuführen wollen? Mariza, die „Königin des Fado“, hat am Dienstag im leider nur gut zur Hälfte gefüllten Zirkuszelt ein grandioses Konzert gegeben.

 

2

1973 wird Mariza als Tochter eines Portugiesen und einer Afrikanerin in der damaligen Kolonie Mosambik geboren. Im Restaurant ihrer Familie in Lissabon fängt sie schon als kleines Kind an, die Gäste mit Fado, dieser schicksalhaft-sehnsüchtigen traditionellen Musik, zu unterhalten. 2001 kam ihre erste Platte heraus, im Oktober dieses Jahres folgt die aktuelle Scheibe.

 

Ihre Musik geht über den althergebrachten Fado hinaus. „Ich wollte mich auch meiner afrikanischen Wurzeln versichern“, verrät sie auf der Bühne. Kubanische Rhythmen sind ebenso wie die afrikanischen zu hören, der Flamenco, der spanische Verwandte des Fado, ist auch präsent.

3

 

„Pflücke eine weiße Rose, und hefte sie Dir an die Brust“, haucht Mariza. Es ist Gefühl, es ist Spaß.

 

Und tatsächlich: Bei der Zugabe kurz vor zehn Uhr in der Nacht, einem wunderschönem Fado mit dem Namen „Primavera“ – Frühling –, da prasseln die ersten Regentropfen lautstark auf das Dach des Zeltes. Ist das nun Magie?

 

Text: Dominik Bloedner / Bilder: Klaus Polkowski

 

4