Der durchschnittliche Freiburger Tagestourist ist 49 Jahre alt, hat einen Universitätsabschluss, erkundet zu Fuß die Innenstadt und hält sich vor allem an den touristischen Sehenswürdigkeiten wie Münster, Rathausplatz oder Martinstor auf. So lauten die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Freiburger Geografen Michael Bauder. Weitaus interessanter ist jedoch eine Zahl, die bei der Vorstellung der Studie nur am Rande erwähnt wird: 12,2 Millionen Touristen mit einem Umsatz von 295 Millionen Euro sollen laut Messungen aus dem Jahr 2008 jährlich Freiburg besuchen. Darunter seien rund zehn Millionen Tagestouristen. Das wären knapp 28.000 pro Tag – oder die kompletten Einwohner Bayerns im Jahr. Ist das realistisch?

Wenn die Freiburg Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH (FWTM) von 12,2 Millionen Touristen spricht, meint sie nicht 12,2 Millionen Personen, sondern Personentage. Im Klartext: Ein Tourist, der drei Tage bleibt, zählt auch mal drei. So haben in den Freiburger Unterkünften im vergangenen Jahr 702.500 Gäste eingecheckt, bei durchschnittlich zwei Übernachtungen macht das 1,4 Millionen.

Kaiser-Joseph-Straße

Laut FWTM bevölkern täglich 28.000 Touristen die Freiburger Innenstadt.


Zu den Hotelgästen kommen dann die Touristen, die privat bei Freunden oder Verwandten übernachten, und die Tagestouristen – zwei Zahlen, die deutlich schwerer zu messen sind, was am Vergleich mit anderen Städten sichtbar wird: Im größeren Karlsruhe, das mit jährlich einer Millionen Übernachtungen deutlich hinter Freiburg liegt, wird die Zahl der Tagestouristen gleich auf 19,5 Millionen taxiert. Das Stadtmarketing in Heidelberg – eine Stadt mit vergleichbarer Übernachtungszahl – geht hingegen von gerade einmal drei Millionen Tagestouristen aus. Hier soll eine Studie noch in diesem Jahr eine verlässliche Zahl liefern.

Auch Basel zählt etwas über eine Million an Übernachtungen, die Zahl der Tagesbesucher beträgt laut einer Studie von 2009 jedoch lediglich 1,6 Millionen. Hat Freiburg sechs Mal so viele Tagestouristen wie Basel? In der Realität wohl kaum. Die Verantwortlichen haben eher eine Zahl gewählt, die sich schöner kommunizieren lässt. Wie die FWTM auf die zehn Millionen kommt? Bei der Befragung 2008 gaben von 1800 Touristen zwei Drittel an, dass sie als Tagestourist in der Stadt sind. Je ein Sechstel war im Hotel oder bei Freunden. Dann wurden die offiziellen Zahlen des statistischen Landesamts angefragt: 536.000 Hotelübernachtungen hatte es 2008 gegeben. Und wenn das nur 16 Prozent sind, dann beläuft sich die Gesamtzahl auf 3,21 Millionen. Da aber Hotelgäste im Schnitt 2,27 Nächte hier sind, und Freunde etwa eine Woche, rechneten die Verantwortlichen die Zahl auf zehn Millionen hoch.

Echte Tagestouristen aber, „Unique Visitors“, sind davon nur 2,3 Millionen, eben jene zwei Drittel. Zu diesen zählt übrigens auch ein Gottenheimer, der zum Shopping nach Freiburg fährt. Denn während etwa in Basel nur als Tourist zählt, wer eine Anreise von mindestens 15 Kilometern hinter sich hat, gibt es in Freiburg keine solche Begrenzung. Ausgenommen werden lediglich Routinefahrten wie etwa das Sporttraining in Freiburg, Fahrten zur Schule oder Arbeitsstelle und Einkaufsfahrten zur Deckung des täglichen Bedarfs.

Kommuniziert die FWTM geschönte Zahlen? Laut Oliver Brimmers, Gesellschafter des Kölner Marktforschungsunternehmens Trendscope, das die 2008er Studie erstellt hat, nicht: „Für die Wirtschaft sind die Personentage die interessantere Zahl. Einem Gastronomen ist es schließlich egal, ob immer derselbe oder verschiedene Touristen bei ihm essen.“ Auch eine Kilometerbegrenzung mache daher wenig Sinn. Besagtem Gastronomen dürfte es schließlich ebenfalls egal sein, ob seine Gäste aus dem Umland oder dem Ausland kommen – solange tatsächlich ganz Bayern jährlich durch Freiburg zieht.

Text & Foto: Tanja Bruckert