Die Freiburger Solarstrom AG durchlebt nicht zum ersten Mal schwere Stunden. Das börsennotierte Unternehmen wird auch 2013 Verluste einfahren, erwägt, sich vom größten Geschäftsbereich zu trennen und muss sich womöglich auch von seinen Neubauplänen am Ortseingang von Merzhausen verabschieden.

 

Anfang November hatte es noch sonnig ausgesehen um die SAG, Vorstandschef Karl Kuhlmann sagte damals, er werde das Jahr – wie das Vorjahr – mit einem Gewinn vor Steuern und Zinsen abschließen. Keine vier Wochen später musste er zurückrudern, weil sich Solarprojekte verzögert hätten. Es gebe aber Verhandlungen mit einem internationalen Energieunternehmen, die kurz vor dem Abschluss stünden. Die Aktionäre hatten dennoch geschockt reagiert, der Kurs sank um fast 20 Prozent auf 1,931 Euro.

Wieder nur eine Woche später teilte die SAG dann mit, dass sie den Bereich Anlagenbau „auf den Prüfstand“ stellt. Was sich harmlos anhört, birgt Sprengstoff: Denn mit der Planung, Installation und dem Verkauf von großen Anlagen an Investoren erlöst die SAG knapp 75 Prozent ihres Umsatzes, der 2012 bei 189 Millionen Euro lag. Die Verhandlungen mit dem internationalen Energieunternehmen waren da schon gescheitert.

 

Wird dieser Plan überhaupt verwirklicht? So soll der SAG-Solartower mal aussehen. Bild: SAG.

Wird dieser Plan überhaupt verwirklicht? So soll der SAG-Solartower mal aussehen. Bild: SAG.

 

Das Geschäftsmodell könnte sich demnach auf den Betrieb eigener Kraftwerke (mit einer Leistung von 27 Megawatt) und die Tochter Meteocontrol konzentrieren, die Solaranlagen überwacht. Beides liefert Rendite. Beides braucht aber deutlich weniger Mitarbeiter. Ob auf die derzeit 200 Beschäftigten eine Kündigungswelle zurollt, ließ das Unternehmen offen. Die Aktie sackte weiter auf 1,47 Euro ab. Die Creditreform Rating AG hat nach der Meldung das Unternehmensrating (zuvor BB+) für die SAG ausgesetzt.

 

Ob der einstige Börsenstar an seinen Neubauplänen in Merzhausen festhalten kann, ist ebenfalls fraglich. Am nördlichen Ortseingang hat die SAG von der Gemeinde für wohl vier Millionen Euro ein 10.000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft und wollte dort 4000 Quadratmeter Gewerbeflächen und 4500 Quadratmeter Wohnraum schaffen. Das Investitionsvolumen dürfte bei mehr als 20 Millionen Euro liegen.

 

Text: Lars Bargmann