Eishockey made in Freiburg ist wieder en vogue. Nach Jahren, die von Abstiegen, Insolvenzverfahren und wechselndem Personal in allen Ebenen geprägt waren, steht der EHC – zumindest sportlich und personell – jetzt wieder auf sicheren Kufen. Nur denkbar knapp schrammte das Profiteam im April sogar an einem Aufstieg in Liga zwei vorbei. Zwei, die für den Erfolg stehen, sind Vorstand Werner Karlin und Trainer Leos Sulak. Beide sind hier in Freiburg seit weit über 20 Jahren mit dem schnellen Sport verbunden – Sulak spielte in den 90ern selbst für den EHC, Karlin ist seit 1974 als Zuschauer dabei und hat vor zwölf Jahren bereits ein Buch über den Club geschrieben. Im Interview mit chilli-Redakteur Felix Holm erklären sie, wohin der Weg des Freiburger Eishockeys führen kann und soll.

 

chilli: Im Rückblick – wie zufrieden sind Sie mit der abgelaufenen Runde?

 

Sulak: Wir müssten eigentlich zufrieden sein. Aber eine kleine Enttäuschung, dass es mit dem Aufstieg nicht hingehauen hat, ist immer noch da.

Karlin: Natürlich bleibt ein kleiner Wermutstropfen übrig, wenn man so dicht am Aufstieg dran war. Aber wir hatten den Aufstieg ja auch nicht als Zielvorgabe. Und unterm Strich war die Saison sowohl sportlich als auch wirtschaftlich eine sehr erfolgreiche.

 

chilli: Auch fürs Image – oder können Sie sich an einen Moment in der jüngeren Vergangenheit erinnern, in denen der Freiburger Eishockey so positiv im Fokus gestanden hat?

 

Karlin: Kurzzeitig gab es vielleicht schon mal Momente, in denen Eishockey hier positiv wahrgenommen wurde. Aber dass eine ganze Saison als so zufriedenstellend wahrgenommen wurde, das gab es schon ewig nicht mehr.

Sulak: Mich wundert diese Begeisterung für unseren Sport aber nicht, ich kenne Freiburg so. Als ich von 1987 bis 1990 hier gespielt habe, war diese Euphorie immer da. Ich habe damals immer gedacht, dass Freiburg eine reine Eishockeystadt ist. Die Fußballer waren noch irgendwo zwischen der dritten und zweiten Liga – wir waren die Erstligisten. Aber natürlich reagieren die Leute positiv, wenn man mit so vielen Eigengewächsen im Team eine solche Top-Saison spielt.

 

Macht noch immer eine gute Figur: Coach Sulak, der von 1987 bis 1990 für den EHC am Puck war.

Macht noch immer eine gute Figur: Coach Sulak, der von 1987 bis 1990 für den EHC am Puck war.

 

chilli: Wie kann oder muss man diese positive Stimmung nutzen?

 

Sulak: Wir müssen weiter arbeiten und die Leute weiter überzeugen. Hoffentlich dringt diese positive Stimmung dann bis zu den Stadtobersten durch.

Karlin: Wir dürfen jetzt aber auch nicht den Fehler machen und drei Jahre Dankbarkeit erwarten. Wenn es mal wieder nicht so läuft, wird der zahlende Kunde auch schnell wieder unzufrieden. Von daher stimme ich da mit unserem Trainer überein: Aus dieser Stimmung entsteht für uns auch eine Verpflichtung. Aber natürlich ist es für Sponsoren interessanter, wenn vor 3000 Leuten gespielt wird, als wenn sich nur 800 in die Halle verirren. Und für Zuschauer ist es natürlich auch interessanter, wenn es bei uns sportlich um etwas geht, das kann sich auch im Dauerkartenverkauf bemerkbar machen.

 

chilli: Herr Sulak, Sie wollen auch weiterhin verstärkt auf Nachwuchskräfte aus den eigenen Reihen setzen. Ist die zweite Liga mit diesem Konzept ein realistisches Ziel?

 

Sulak: Auf jeden Fall. Natürlich hätte man sich im Fall eines Aufstiegs verstärken müssen, ist ja klar. Aber die Jungs haben es in den Playoffs doch gezeigt, dass sie gegen Zweitligisten bestehen können. Wir hatten mehr Probleme gegen Frankfurt und Kassel – also gegen die Oberligisten. Die Jungs haben das Zeug, das zu spielen.

 

chilli: Herr Karlin, was müsste passieren, damit sie über eine Neufassung Ihres vor über zehn Jahren erschienenen Buches „Eishockey in Freiburg“ nachdenken?

 

Karlin: Eigentlich gar nichts: Wir haben schon eine Neufassung angefangen. Auch aus Zeitgründen ist diese aber bislang noch nicht veröffentlicht worden. Ich denke, wenn wir wirklich aufsteigen würden, könnten wir das Buch nicht mehr verhindern.

 

chilli: Was hätte ein Aufstieg bedeutet – finanziell, sportlich, infrastrukturell?

 

Karlin: Wir hätten es bei einigen Spielern in den Vertragsverhandlungen einfacher gehabt. Wir hätten beim Zuschauerschnitt etwas besser kalkulieren können. Aber unterm Strich hätte sich nicht so viel verändert: Wir hätten mit Sicherheit auch weiterhin versucht, mit vielen eigenen Spielern zu spielen und vieles, was wir jetzt schon machen, wäre dann eben unter der Überschrift „Zweite Liga“ gelaufen.

Sulak: Auf jeden Fall hätten wir keine längeren Auswärtsfahrten gehabt als in der Oberliga. Zudem würde man noch mehr über den Verein reden. Und schließlich will jeder Sportler immer aufsteigen und weiterkommen. Aber wir hätten uns schon auch verstärken müssen.

 

Fachmann an der Spitze: Werner Kalin hat schon ein Buch über Eishockey geschrieben.

Fachmann an der Spitze: Werner Kalin hat schon ein Buch über Eishockey geschrieben.

 

 

chilli: Wäre dafür Geld da gewesen?

 

Karlin: Im Moment noch nicht. Wir haben in der abgelaufenen Runde schon ein kleines Plus gemacht, das hätten wir möglicherweise auch investiert. Wir hätten uns aber auch statt durch Einsatz von Geld durch Einsatz von Cleverness verstärken müssen. Etwa, indem wir Spieler holen, die andere übersehen. Das ist uns dieses Jahr auch ganz gut gelungen: Andere Vereine haben versucht, Geld Tore schießen zu lassen, wir haben uns punktuell verstärkt und das hat gut geklappt.

 

chilli: Muss man sich jetzt verstärken, um im kommenden Jahr noch größere Chancen im Aufstiegsrennen zu haben?

 

Sulak: Das ist schwierig. Wissen Sie, vor einem Jahr hat keiner daran zu denken gewagt, dass wir an die Tür zur zweiten Liga klopfen könnten. Jetzt haben wir so eine super Saison gespielt, jetzt müssen wir erstmal schauen, dass wir die eigenen Spieler halten können, um unseren Weg weiterzugehen. Es ist ganz klar, dass jetzt einige von denen auch nach oben schielen und von dort auch Angebote bekommen.

 

chilli: Apropos Infrastruktur – was gibt es Aktuelles in der Eishallenfrage?

 

Karlin: Neues gibt es nichts. Die Stadt prüft weiterhin den Standort in Zähringen, wenn sich etwas Wesentliches tut, gibt es Gespräche. Unser Stand ist aber der, dass erst nach der Neuwahl des Gemeinderates weitere Schritte zu erwarten sind.

Sulak: Ich denke, dass es für eine Stadt wie Freiburg mit einer solchen Eishockeytradition machbar sein sollte, eine Halle hinzustellen. Vorbilder haben wir in Tölz oder Bietigheim, wo die Kosten nicht so hoch waren, wie sie hier angeblich sein sollen. Ich bin kein Experte, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Halle, die vor fünf Jahren an einem anderen Ort für 18 Millionen gebaut wurde, hier jetzt fast das Doppelte kostet.

Karlin: Ich kann das auch nicht nachvollziehen. Diese Zahlen halte ich für überzogen. Ich glaube auch, dass es günstiger geht.

 

chilli: Wo landen die Wölfe in der kommenden Runde?

 

Sulak: (lacht) Das wüsste ich auch gerne. Wenn wir etwas Ähnliches wiederholen wollen, muss alles funktionieren und zum richtigen Zeitpunkt passen.

 

chilli: Was sagt der Vorstand?

 

Karlin: Vorne. Wie weit, das weiß ich nicht, aber auf jeden Fall vorne.