Oft werden Menschen wegen ihres Wesens oder ihrer langen Verbundenheit zu einer bestimmten Sache als Original bezeichnet. Der Freiburger Schlagzeuger Schroeder ist ein solches Original der Freiburger Musikszene – aus beiderlei Gründen.

Schroeder sitzt in seinem Studio und bläst die Backen auf. Er überlegt, 5000 Platten dürften es in etwa sein, die da im Regal stehen. Er hört sie immer wieder dem Alphabet nach durch. Aktuell ist er bei C, im Hintergrund dudelt Ry Cooler. Nachdem Schroeder die Platte umgedreht hat, hält er erst einmal einen Pinsel drüber – gegen den Staub. Dann senkt er die Nadel und das typische Knacken vom Vinyl durchdringt leise den Raum in einem Hinterhaus in der Belfortstraße. Eine kleine Couch und ein Sessel stehen um einen Tisch herum, am einen Ende des Raums ist eine Bar, am anderen zieht sich das riesige Plattenregal an der Wand entlang, vor der mehrere Instrumente rumstehen. Die muss er später noch ins Auto bugsieren. Am Tag danach geht es auf Tour. Im nächsten Raum sind sein Studio und sein Proberaum. Dort steht noch viel mehr rum und lädt zum Spielen ein. Die Wohnung ist oben im Haus. Schroeder selbst sitzt auf dem Sessel, raucht Zigarette, nippt am Bier und ist die Entspanntheit in Person.


Schroeders Vorname ist Dieter, „das sacht aber keiner“. Der 47-Jährige stammt unüberhörbar aus dem Ruhrpott. Seit mehr als 25 Jahren wohnt er in Freiburg – der schönsten Stadt Deutschlands, wie er findet, „weil das Verhältnis von Größe der Stadt und Kulturszene unglaublich ist“. Schroeder ist Musiker, Schlagzeuger, Künstler – von Beruf. „Beruf? Weiß ich nicht, ich mach halt nix anderes.“ Berufung passt besser, aber das wäre zu plakativ. „Und ob das jetzt Kunst ist? Das müssen andere entscheiden, ich mach’ halt das, was ich kann.“ Studiert hat er mal „bis kurz vor der Ziellinie“, danach viele Jahre als „Trommellehrer“ gearbeitet.

In der Szene ist Schroeder ein bekannter Name, in seinem Studio gehen viele lokale Musiker ein und aus. Stefan Schönfeld, der als Veranstalter regelmäßig mit ihm zusammenarbeitet, sagt: „Schroeder ist einfach authentisch. Die Sachen, die er macht, zieht er immer durch. Und vor allem kann man sich auf ihn verlassen.“

Schon viele Porträts seien über ihn geschrieben worden, erzählt Schroeder. Er findet das alles nicht so interessant. „Ein Porträt kommt ja nie tiefer als fußflaches Wasser. Da beantwortet man zehn Fragen mit zwei Sätzen, und bei einer will man auch noch brillant sein.“ Ans Ende solcher Sätze hängt er dann ein sympathisches Lachen.

Das Leben als Musiker ist aber nicht nur spaßig. Bis zu 180 Konzerte spielt Schroeder, derzeit meistens mit Sascha Bendiks, zusammen machen sie einen Tom-Waits-Abend. Dann gibt es aber auch Tage, an denen die Musik mehr zur Dienstleistung wird und er bei einer Firmenveranstaltung auftritt.


Eine feste Band hat Schroeder nicht. Projekte, das trifft es besser. Ob strikt musikalisch oder verpackt in eine Theateraufführung, Schroeder macht alles Mögliche. Zwischen 2002 und 2006 war er regelmäßig mit Mike Keneally unterwegs, dem letzten Gitarristen von Frank Zappa. Das war eine tolle und prägende Zeit. „Aber grundsätzlich würde ich sagen, dass jeder, mit dem ich spiele, mich beeinflusst. Auch die, die ich scheiße finde.“

Wenn das Zusammenspiel mit einem anderen Musiker nicht klappt, frage man sich warum, und das bringe einen auch schon wieder weiter. Weiter gebracht haben ihn auch wilde Phasen. „Eine Zeit lang habe ich auch mal in einem Proberaum am Güterbahnhof gelebt, so richtig im Keller mit überquellendem Aschenbecher und ohne richtigen Wasseranschluss. Das waren heftige Zeiten, aber auch klasse Zeiten“, sagt Schroeder. Und hängt wieder ein Lachen ans Satzende. Das Lachen eines Originals.

Text: Daniel Weber / Fotos: © Felix Groteloh / Schroeder