Am 17. April steht das bislang größte Spiel in der Geschichte des Sportclub Freiburg an: Im Halbfinale des DFB-Pokals muss die Mannschaft von Christian Streich beim Erzrivalen VfB Stuttgart antreten. In den Reihen der SC-Spieler gibt es einen, der schon einmal die Farben des Gegners getragen hat: Kapitän Julian Schuster spielte von 2005 bis 2008 für den Verein aus der Landeshauptstadt. Wie es für ihn ist, jetzt in seiner Heimat das bislang wichtigste Spiel seiner Karriere zu bestreiten, hat der gebürtige Schwabe chilli-Redakteur Felix Holm verraten.

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chilli: Wie war Ihre erste Reaktion nach der Auslosung?
Schuster: Grundsätzlich haben wir uns gefreut, dass wir den Bayern im Halbfinale aus dem Weg gehen. Daher waren wir erst einmal froh. Aber wir hätten natürlich auch gerne ein Heimspiel gehabt – das hätten sich Verein und Fans verdient. Jetzt nehmen wir eben diese Herausforderung an.

chilli: Bislang hat die Tatsache, dass sie im Pokal ausschließlich auswärts ran mussten, ja keine besondere Herausforderung an das Team dargestellt …
Schuster: Ja, das stimmt schon – auswärts lief es bisher für uns ganz gut. Und wir werden natürlich auch dieses Mal alles reinwerfen – es ist ja nicht nur für mich, sondern für das gesamte Team eines der größten Spiele unserer Karriere. Ich glaube, da war noch keiner im DFB-Halbfinale. Wir sind nur noch einen Schritt von Berlin entfernt, das ist ein Traum, den wir uns erfüllen wollen.

chilli: Für Sie persönlich ist das in gewisser Weise ja auch ein Heimspiel …
Schuster: Ja. Auf jeden Fall. Ich freue mich natürlich, dass ich wieder nach Hause komme, zu meinem alten Verein, in meine alte Heimat. Das wird sicher ein Riesending. Viele alte Freunde haben mich jetzt auch schon nach Karten gefragt. Noch konnten wir keine bestellen, aber ich muss für dieses Spiel wohl den Rahmen der verfügbaren Karten sprengen. Zum Glück habe ich noch gute Beziehungen – ein Freund arbeitet beim VfB in der Geschäftsstelle, mein Cousin Benedikt Röcker spielt noch da, und mein alter Trainer Walter Thomae ist jetzt Co-Trainer bei den Amateuren …

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chilli: Sind Ihre Stuttgarter Freunde eigentlich VfB-Fans?
Schuster: (lacht) Die sind jetzt natürlich zwiegespalten, weil sie einerseits Stuttgart-Fans sind, durch mich aber auch einen Bezug zum SC haben.

chilli: Stehen im aktuellen VfB-Kader noch ehemalige Mitspieler von Ihnen?
Schuster: Mit Sven Ulreich, Serdar Tasci und Christian Gentner habe ich bei den Amateuren zusammengespielt. Kontakt haben wir aber keinen mehr.

chilli: Damals, 2007, standen die Profis ja schon einmal im Pokalfinale. Was haben Sie davon mitbekommen?
Schuster: Ich war im Finale gegen Nürnberg im Stadion. So eine Stimmung habe ich nie wieder erlebt – ich fand das sogar noch besser als die Stimmung bei der WM 2006. Das ist etwas ganz Besonderes. Allein das sollte für uns Motivation genug sein, dorthin zu kommen. Aber dazu müssen wir alles abrufen.

chilli: Warum gewinnt der SC in Stuttgart?
Schuster: Wenn wir gewinnen wollen, muss jeder das Maximale aus sich rausholen. Wir haben in Mainz bewiesen, dass wir nie aufgeben. Das ist Teil unserer Mentalität, wir hören nie auf, unser Spiel durchzuziehen, egal wie es steht. Als Mannschaft des SC kannst du nur erfolgreich sein, wenn alle dahinterstehen. Jeder muss das Persönliche hintenanstellen – dann können wir gewinnen. Aber es bedarf einer überragenden Leistung. Dann können wir uns einen gemeinsamen Traum erfüllen.

Fotos: ns