Wie das Freiburger Jazzfestival entsteht

Bis zum 28. September steht die Breisgau-Metropole wieder ganz im Zeichen der amerikanischen Südstaaten-Musik: Das 11. Freiburger Jazzfestival befindet sich in den Startlöchern und bringt namhafte Künstler wie die US-Sängerin Stacey Kent oder den israelischen Bassisten Avishai Cohen in die Clubs der Stadt. Vorwiegend werden die Künstler und Kombos auf den Bühnen des E-Werks, des Schützen und natürlich im Jazzhaus auftreten. Aber auch der „Minigipfel“, bei dem sich mehrere Innenstadt-Kneipen in Jazzclubs verwandeln, und der „Uferjazz“ am letzten Festivalnachmittag an der Dreisam sind feste Bestandteile des seit drei Jahren wieder jährlich steigenden Festivals. Bevor es so weit ist, haben die drei Hauptverantwortlichen Wolfgang Herbert, Thomas Fenselau und Michael Musiol allerdings alle Hände voll zu tun.

 

Die Idee

Im Jahr 2001 kamen Deutschlands hochrangigste Politiker und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac zu einem deutsch-französischen Gipfel in Freiburg zusammen. Die Liebhaber der freiheitsbeschwörenden, multikulturellen und immer wieder auch politisch-aneckenden Jazz-Musik nahmen dies zum Anlass und riefen den „Gipfel du Jazz“ ins Leben. Organisiert wurde dieses Fest vom hiesigen Kulturamt, das die seit jeher in Freiburg vorhandene Jazz-Szene an einem Tisch vereinte. Thomas Fenselau, der heute immer noch für die Programmgestaltung zuständig ist, war schon damals mit am Start: „Das war eine Chance für die Szene. Einzelne Clubs wie das Jazzhaus oder das E-Werk hatten nicht die Mittel, so etwas alleine zu stemmen.“ Zusammen und mit der Unterstützung von Stadt und Land keimte etwas, was auch heute noch Bestand hat – und inzwischen die Szene mit am Leben hält.

Macher: Wolfgang Herbert & Thomas Fenselau

 

„Heute ist es eine tolle Gelegenheit, auch jungen und regionalen Jazz zu fördern“, weiß E-Werk-Geschäftsführer Wolfgang Herbert. „Das Festival ist eine Werbemaßnahme für Jazz und deswegen haben wir auch einen hohen Anteil Freiburger Beteiligung“, ergänzt Fenselau. Gewährleistet wird dies auch, weil das Kulturamt sowie das Land niedrige fünfstellige Beträge zuschießen und so den Spielraum ermöglichen, mit einem Etat von insgesamt etwa 80.000 Euro ein völlig nicht-kommerzielles und umso interessanteres Programm auf die Beine zu stellen.

 

Die Organisation

Los geht’s jedes Jahr mit einem Treffen im Spätherbst. „Dann tragen wir Vorschläge zusammen, wer im kommenden Jahr auftreten könnte“, erklärt Fenselau. Allerdings könne es durchaus sein, dass die eine oder andere Gruppe auch schon mal zwei Jahre im Voraus gebucht wird. „Vieles ist schon bei der Vorbereitung des vorhergehenden Festivals in den Köpfen“, weiß Herbert. So habe man etwa seit Jahren versucht, die Sängerin Stacey Kent für einen Auftritt zu gewinnen – 2014 ist es endlich so weit: Am 21. September tritt sie im Jazzhaus auf.

Stacey Kent: 21.9., 20 Uhr, Jazzhaus

 

Vor allem die größeren Namen versuchen die Macher schon früh klarzumachen. „Die haben oft einen engeren Terminkalender“, sagt Herbert. Ein anderer ist der, dass die großen Namen die sind, die Geld ins Festivalbudget spülen, welches an anderer Stelle für Newcomer wieder ausgegeben werden kann. Und je eher man einen großen Namen ankündigen kann, desto mehr Aufmerksamkeit erhält die Veranstaltung und umso eher können die ersten Karten verkauft werden. Einen Endpunkt der Booking-Phase markiert oft die Jazz-ahead-Messe in Bremen, bei der sich immer Ende April die Szene trifft – ein guter Ort für die Talentsichtung.

Gently Disturbed: 24.9., 22 Uhr, E-Werk

 

Organisatorisch eher im Vorbeimusizieren können die Spielorte abgehakt werden. „Die sind ja im Vorfeld schon relativ klar“, verweist Fenselau auf E-Werk, Jazzhaus und den Schützen. Umso brisanter ist es hingegen an einer anderen Front: Die Künstler, die von außerhalb kommen, wollen irgendwo untergebracht werden. „Freiburg ist nicht ganz so reich an Hotels – das ist schwierig, zumal wir im September oft mit vielen Messen und Kongressen konkurrieren“, erklärt der E-Werk-Geschäftsführer, „wir versuchen daher immer schon recht früh, uns ein Kontingent an Betten zu sichern.“

 

Der finale Countdown

Der Minigipfel ist etwas, was bis zum Schluss geplant werden muss. „Viele Kneipen und Wirtshäuser warten lange mit der Zusage, weil sie eventuell noch eine private Veranstaltung reinbekommen, mit der sie am Ende mehr verdienen können“, weiß der Booker Fenselau, „am Ende sind aber eigentlich immer genug dabei – und notfalls schieben wir Künstler dann zum Uferjazz.“

Lisbeth Quartett: 25.9., 20.30 Uhr, Schützen

 

Ein weiterer Vorteil des Festivals ist der, dass sich die Veranstalter nicht um die Bewirtung kümmern müssen. Alle Konzerte finden in Lokalitäten statt, die das selber in die Hand nehmen. Auch um die für den Auftritt notwendige Technik kümmern sich die Clubs selbst.

Avishai Cohen Trio: 26.9., 20 Uhr, E-Werk

 

Ist dann scheinbar alles organisiert, geht es meist mit den „Feuerwehreinsätzen“ los: Musiker sagen spontan ab und müssen ersetzt werden, andere bringen ein weiteres Bandmitglied mit und brauchen ein zusätzliches Hotelzimmer; ein Fahrservice, der die Jazzer vom Flughafen ins Hotel und zurück fährt muss organisiert werden; dann werden Flüge gestrichen und der Fahrservice muss erneut umbestellt werden. „Das alles ist aber keine große Katastrophe, eher tagesüblich“, zuckt Fenselau mit den Achseln, der auch schon mal selbst für Till Brönner als Fahrer eingesprungen ist.

 

Das Festival

Wenn dann endlich die ersten Töne erklingen, können die Festivalmacher, wenn nicht noch mehr Unvorhersehbares passiert, die meisten Konzerte selber genießen. Tagsüber treffen sie sich mit den Stars, gehen essen und pflegen Kontakte. „Das ist ganz wichtig“, betont Herbert, „wir versuchen hier, eine gute Atmosphäre zu schaffen, die die Künstler dann in die Welt hinaustragen.“ So schafft sich das kleine, aber feine Festival einen guten Ruf in der Szene. Für die Macher sind solche Treffen auch eine Art Lohn für elf Monate harte Arbeit.

Taksim Trio: 27.9., 20 Uhr, Jazzhaus

 

Die Zeit danach

Nach dem Schlussapplaus fällt auch für die Organisatoren erst einmal ein Vorhang. Einen guten Monat gönnen sich Fenselau, Herbert und Co. dann Pause und Abstand vom Festival, ehe sie das Team noch einmal zusammenrufen, um bei einer Rückschau zu besprechen, was gut lief und was nicht. Und genau genommen ist das dann auch der Startschuss für das kommende Jahr.

 

 

Text: Felix Holm / Fotos: fho, Benoit Peverelli, Maximilian Hans, JQuast, YouriLenquette, f-cat productions

 

Freiburger Jazzfestival
vom 19. bis 28. September
Tickets bei Reservix Online oder beim BZ-Kartenservice
www.jazzfestival-freiburg.de