Nachdem der Bauverein Breisgau (BVB) in den vergangenen Wochen zunächst sein eigenes Fundament mit der Verpflichtung eines neuen Vorstands gefestigt hatte (wir berichteten exklusiv), gossen Noch-Vorstandschef Reinhard Disch, Aufsichtsratsvorstand Martin Behrens und Baubürgermeister Martin Haag am 6. April den Grundstein fürs neue Quartier Uni Carré im Stühlinger, wo in den nächsten zwei Jahren für 36 Millionen Euro 141 neue Mietwohnungen in zehn Häusern entstehen.

 

 

„Ein gelungenes Beispiel für die Innenentwicklung“, lobte Haag. Über einen „großen Glücksfall für unsere Kita“ freute sich Markus Engelhardt, der Stadtdekan der Evangelischen Kirche; eine „Meisterleistung“ attestierte Disch seinen Beschäftigten, weil diese zuvor für 170 Mieter Ersatzwohnungen besorgt hatten; ein „typisches Stühlinger-Projekt, weil alle Menschen hier Platz finden können“, begrüßte die Bürgervereinsvorsitzende Daniela Ullrich.

 

Das Uni Carré verbindet Ökonomie, Ökologie und Soziales: die 50 geförderten Wohnungen werden nur 6,50 Euro Miete pro Quadratmeter kosten, die frei finanzierten 9,75 Euro. Die Kita aus der Lutherkirche – die zu einem Hörsaal der Uniklinik umgebaut wird – zieht mit ein, die Sozialstation Dreisam bezieht Räume für Tages- und Nachtpflege, und eine Bäckerei wird ein Tagescafé eröffnen. Wer den Wert von Genossenschaften erkennen will, der stelle sich auf dem eineinhalb Fußballfelder großen Areal einfach einen auf Gewinnmaximierung fixierten Investor anstelle des Bauvereins vor.

 

Durch das von der bauvereinseigenen Energieversorgungsgesellschaft ausgetüftelte Energiekonzept ist das Quartier – auf dem ab 1907 der zweite große Bau der Genossenschaft entstanden war – künftig so gut wie stromautark. Über das Mieterstrommodell profitieren die Bewohner auch von günstigeren Preisen. Den Architektenwettbewerb hatte das Frankfurter Büro Stefan Forster gewonnen, dem beim KfW-55-Projekt nicht nur ein Satteldach gelungen ist, das in den Grundrissen der Dachgeschosse kaum satteldachtypische Einschränkungen zeigt, sondern – dank der Blockrandbebauung – auch ein großer, qualitätsvoller Innenhof.

 

Die Nutzfläche auf dem Areal wächst um 3700 auf 11.400 Quadratmeter. Der BVB investiert aus Bordmitteln fast 15 Millionen Euro, die L-Bank finanziert 7,9 Millionen aus dem Wohnraumförderprogramm und auch die restlichen 13,5 Millionen Euro. Das Uni Carré war ursprünglich auf 30 Millionen Euro taxiert worden. Aufwändige Sicherungen des Nachbargebäudes und acht Bombenfunde haben das gelungene Innenentwicklungsprojekt verzögert und teurer gemacht.

 

Text: Lars Bargmann / Foto: © BVB