Das ist kein Tropfen auf den heißen Stein der Wohnungsnot, das ist ein halber Eimer: Der Bauverein Breisgau (BVB) wird im kommenden Jahr mit dem Bau von 140 Wohnungen im generationenübergreifenden Uni-Carré loslegen. Damit wächst die Nutzfläche im Quartier zwischen Hugstetter, Robert-Koch-, Barbara und Lutherkirchstraße um 4000 auf 11.600 Quadratmeter – Kinder- und Seniorenbetreuungseinrichtungen, Gewerbe- und  Dienstleistungsflächen inklusive.

Das neue Viertele im Viertel liegt im direkten Umfeld von Uniklinik und den naturwissenschaftlichen Fakultäten, hat die Straßenbahn vor der Nase, das Kneipenviertel Stühlinger daneben und könnte ein Paradebeispiel einer gelungenen Innenentwicklung werden. Hier ist der oft trefflichere Begriff Nachverdichtung fehl am Platz. 30 Millionen Euro wird der BVB bis 2017 investieren. Und die Mieter durften in einer Planungswerkstatt auch mitreden.

170 alte, bereits leere Wohnungen müssen zuvor den aufzustellenden Neubauten weichen. Aber eine Bürgerinitiative hat sich dagegen ausnahmsweise mal nicht gegründet. „Das sind Wohnungen, die nach dem Krieg aus Trümmermaterial gebaut wurden. Die Geschosse sind kaum 2,30 Meter hoch, es gibt keine Parkplätze, die Grundrisse sind antiquiert und die Mieterfluktuation ist hier doppelt so hoch wie sonst“, begründete BVB-Geschäftsführer Reinhard Disch den Abriss bei der ersten öffentlichen Vorstellung des Bauvorhabens im Gemeindesaal der Lutherkirche.

„Alle Bewohner, die ich kenne und aus den alten Wohnungen ausziehen mussten, haben mir erzählt, dass sie sich verbessert haben“, so Gemeindepfarrer Horst Herbert im Gespräch mit dem chilli. Einige werden sich dennoch auf höhere Mieten einstellen müssen.

Im Saal waren auch alle 15 Arbeiten aus dem Realisierungswettbewerb ausgestellt, den schließlich das Frankfurter Architekturbüro Stefan Forster Architekten gewonnen hatte. Weil sein Entwurf durch seine „qualitätsvolle Umsetzung genossenschaftlichen Wohnens rundum überzeugt hat“, wie Stadtplaner und Preisrichter Franz Pesch erklärte. Für Baubürgermeister Martin Haag ist das Carré ein „Beispiel gelungener Innentwicklung im Bestand“.

Der Frankfurter Entwurf überzeugte nicht zuletzt durch einen architektonischen Kniff. „Forster hat eigentlich gar kein Schrägdach gemacht, aber es sieht trotzdem so aus, weil er das Dach an den richtigen Stellen nach unten gezogen hat“, sagte der Stadtplaner Gregor Bäumle aus Darmstadt, der den Wettbewerb betreut hatte. Schrägdächer dominieren das Umfeld des Carrés, haben aber den Nachteil, dass unterm Sattel- oder Walmdach in der oberen Etage viel wertvoller Wohnraum verloren geht. Diesen Zwiespalt hat Forster in der Tat glänzend vereint. „Ich finde den Entwurf sehr gelungen, das passt gut ins Quartier“, kommentierte BVB-Geschäftsführerin Doris Reiprich.

Auf dem insgesamt rund eineinhalb Fußballfelder großen Carré bleiben 60 Wohnungen an der Lutherkirchstraße – und der alte Baumbestand – stehen, weil die in den 20er und 30er Jahren gebaut wurden und von deutlich besserer Substanz sind. Noch.

 

Text: Lars Bargmann / Entwürfe: Die jeweiligen Architektenbüros