Menschen mit einer neuen Idee gelten so lange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat.“ Sagte einst Mark Twain. Die Uni Freiburg und das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) – beides keine Leichtgewichte in der Ideenbranche – suchen nun solche Tüftler mit ihrem neuen Programm Startinsland. Für Mitmacher gibt es professionelle Unterstützung bis hin zur Besorgung von Venture Capital – und ein bisschen Preisgeld.

Nicht jeder kann ein Einstein sein: Aber innovative Geister stehen im Fokus von Startinsland.

 

Die Uni will, erklärte Rektor Hans-Jochen Schiewer bei der Vorstellung des Wettbewerbs, bis 2025 eine der besten deutschen Hochschulen in Sachen Gründungskultur in Innovation werden. „Wir sind schon seit Jahren bundesweit unter den Top Drei bei den Patentanmeldungen.“ Nun will der Rektor auch die Quote der erfolgreichen Spin-offs weiter nach oben bringen.

Seit 1998 habe es bei der universitären Zentralstelle für Technologietransfer 641 Anfragen für die Gründung von Unternehmen aus der Uni heraus gegeben: 172 seien durchgekommen, 134 heute noch aktiv.

Schiewer hat in ISE-Chef Eicke Weber einen tatkräftigen Mitstreiter gefunden, der sich im Metier bestens auskennt und ja neuerdings mit seinem eigenen Spin-off-Projekt, einer trinationalen X-Gigawatt-Solarfabrik, „das größte Rad drehen möchte, an dem ich in meinem Leben je gedreht habe“. Und der Mann hat schon bisher nicht gerade an den Rädern von Spielzeugautos gedreht. „Wir haben mit Ausgründungen gute und erfolgreiche Erfahrungen gemacht. Deswegen unterstützen wir das“, sagte er. Wem fiele da nicht die Concentrix Solar GmbH ein, das ISE-Spin-off, das inzwischen Soitec gehört – wofür die Franzosen mehr als 40 Millionen Euro hingeblättert hatten.

Zu der Gründungsoffensive zählen auch die geplante Stiftung Innovationsallianz und – gemeinsam mit allen Freiburger Fraunhofer Instituten – der Bau eines bis zu 6000 Quadratmeter großen, voll ausgestatteten Innovationszentrums auf dem Flugplatz-Campus.

Schiewer und Weber räumen auf Nachfrage aber auch freimütig ein, mit all der Förderung nicht als Samariter dazustehen. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass da auch für uns etwas herausspringt, aber das ist nicht unser Hauptziel“, sagt Weber. „Geld verdient man nicht mit Patenten, sondern mit der Lizenzierung. In Nordamerika ist es normal, dass erfolgreiche Ausgründer dann Lehrstühle an ihrer Uni finanzieren“, sagt Schiewer, der sich das auch für Freiburg wünscht. Der britische Historiker und Publizist Cyril Northcote Parkinson meinte einst: „Viele gute Ideen scheitern, weil irgend jemand, der hätte gefragt werden sollen, nicht gefragt wurde.“ Startinsland ist dankbar für jede Frage.

Text: Lars Bargmann / Foto: Library of Congress

Info Startinsland
Noch bis zum 4. Juli könnten Ideenreiche aus dem Regierungsbezirk Freiburg, egal ob akademischer oder handwerklicher Prägung, ihre in materiellen oder ideellen Schubladen verstaubenden Projekte im Gründerbüro der Uni bei Projektleiterin Dorothea Bergmann vorbringen: Auf zwei Seiten erst die Idee, danach – unterstützt von einem umfangreichem Qualifizierungs- und Coaching-Programm – bis 14. November einen Businessplan. Außer den Kategorien „Wissenschaft“ und „Sonstige Ideen“ gibt es den Sonderpreis „Green Economy“, der sich an nachhaltige Geschäftsideen richtet. Die besten drei Ideen werden mit 500, 300 und 200 Euro prämiert, die besten Businesspläne mit 2000, 1000 und 500 Euro.
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