Silbermünzen, Provence-Tischdecken, Fahrräder – aber selbst in der Rubrik „Verschiedenes“ sticht die Kleinanzeige von Mohammad Salah hervor: „Taxikonzession für Freiburg gesucht.“ Konzessions-Kauf per Kleinanzeige?

Mohammad Salah ist kritisch. Nicht weil das seiner Natur entspricht, sondern weil er auf seine Kleinanzeige bisher keine einzige ernstzunehmende Rückmeldung bekommen hat. „Auf meine Anzeige haben sich zwar einige Leute gemeldet, doch entweder waren ihre Preisvorstellungen exorbitant hoch oder man hat schnell gemerkt, dass sie gar nichts anzubieten hatten“, erklärt Salah.

Mohammad Salah
Vor anderthalb Jahren hat er sich mit einem Mietwagen-Unternehmen selbstständig gemacht und fährt in seinem umgebauten VW Caddy mit Rollstuhlrampe Rollstuhlfahrer, jugendliche Diskogänger, Kühlschränke oder Betten – der junge Chauffeur steht rund um die Uhr für die unterschiedlichsten Kurierdienste oder Personenfahrten bereit.

Doch Salah hat höhere Ziele: Er möchte seinen Fahrdienst vergrößern, in spätestens zwei Jahren soll ein weiterer Fahrer hinzukommen. Momentan kann sein Betrieb allerdings gerade mal ihn selbst ernähren. Um das zu ändern, will der 28-Jährige seinen Fahrdienst in ein Taxiunternehmen verwandeln. An seiner Arbeit würde sich dadurch eine entscheidende Kleinigkeit ändern: Momentan darf er seine Kunden nur auf Anfrage abholen, als Taxifahrer kann er jeden mitnehmen, der auf der Straße ein Taxi sucht. Was ihm dazu fehlt, ist eine Taxikonzession. Doch wieso sucht er diese per Kleinanzeige, statt sie ganz regulär beim Ordnungsamt zu beantragen?

„Habe ich doch längst“, meint der Jungunternehmer, „aber das dauert. Ich warte jetzt bereits zwei Jahre auf meine Taxikonzession.“ Das Problem: Konzessionen sind beschränkt, in Freiburg gibt es 221– also etwa eine pro tausend Einwohner. Momentan sind alle vergeben. Wer ein Taxiunternehmen gründen will, trägt sich auf einer Warteliste ein. Bei Salah könnte jetzt aber doch alles sehr schnell gehen: Angeblich prüft das Ordnungsamt gerade seinen Antrag. Wenn alles gut läuft, hält er in einigen Wochen seine Taxikonzession in der Hand.

Rückblickend ist er daher froh, dass seine Anzeige erfolglos geblieben ist. Da Taxikonzessionen nur zusammen mit dem ganzen Unternehmen verkauft werden dürfen, hätte ihn das wohl viele tausend oder gar mehr als zehntausend Euro gekostet. Eine Konzession von der Stadt zu pachten ist hingegen bis auf eine Verwaltungsgebühr kostenlos.

Text: Tanja Bruckert / Foto: privat