Der Freiburger Chris Gersch alias DJ FunkMessiah
ist jetzt auch Partyveranstalter


Von draußen knallt die Sonne in ein kleines Büro in der Merianstraße. Unten sitzen Menschen im Straßencafé und rühren im Kaffee, oben sitzt Chris Gersch und gestikuliert mit seinen Händen, während er darüber spricht, wie er Partys im Freiburger Nachtleben veranstaltet: „Ich kann halt nicht anders.“ Vor anderthalb Jahren gründete der 32-Jährige mit „Soulside“ eine kleine Event-Agentur: „Ich wollte das machen, was mir Spaß macht.“

 

Von Schicksal zu reden, ist wahrscheinlich zu hoch gegriffen. Doch es war schon ein besonderer Abend vor acht Jahren im Jugendzentrum Z am Siegesdenkmal in Freiburg. Chris Gersch, damals Lehramtsstudent und Hobby-DJ, organisierte mit sieben Freunden zum ersten Mal eine Party. Im Oktober, am Wochenende vom Erntedankfest. Die Party tauften sie Erntefunk. „Wir wollten eine Veranstaltung von Studenten für Studenten machen, aber dabei eben nicht das typische Walking-On-Sunshine-Ding runternudeln“, erinnert sich der gebürtige Schwabe, der seit 2000 in Freiburg lebt. Hip Hop, Funk, Soul und auch Electro waren die musikalischen Einflüsse für die Party. 500 Leute kamen.

„Wir waren völlig überfordert“, erzählt Gersch, das „völlig“ betont er. Der kleine selbst organisierte Barbetrieb war am Anschlag, die angekarrte Soundanlage sowieso und die Tanzfläche voll. Für Gersch zählt dieser Abend zu den ersten Gehversuchen als DJ FunkMessiah. „Da musste halt irgendwas auf dem Flyer stehen. Am Ende stand FunkMessiah drauf, bei dem Namen ist es geblieben.“ Den Namen und die Reihe Erntefunk gibt es heute auch noch – als monatliche Partyreihe. Geblieben sind mit Gersch und Matthias Adam zwei Organisatoren. Gemeinsam mit Adam hat Gersch inzwischen auch die Soulside gegründet und konzentriert sich beruflich komplett auf die Veranstaltungsbranche. Dazu ist er zwei Mal pro Woche als DJ unterwegs.

Dem Schritt in die Selbstständigkeit ging derweil ein Fehltritt voraus: Nach dem Lehramtsstudium absolvierte Gersch vor zwei Jahren ein Praktikum in einer Münchner Reiseagentur: „Ich habe mein Studium abgeschlossen, obwohl mir am Ende klar war, dass der Lehrerberuf erstmal nichts für mich ist. Dann war ich in München und habe gemerkt, dass ich auch kein Mensch für irgendeinen fremdgesteuerten Bürojob bin, das hat mich nicht erfüllt.“
Gersch ist einer der Sorte Mensch, die einfach machen muss, etwas eigenes, ob das nun klappt oder nicht. „Ich kann nicht anders. Auch wenn das mal in die Hose geht, steh ich danach da und denke mir: Fuck, das kann doch nicht sein. Das geht besser.“

Von Schicksal zu reden, ist wahrscheinlich zu hoch gegriffen, aber noch in München nimmt er Kontakt mit den Organisatoren von Yum Yum auf – einer Lizenzveranstaltung inmitten eines Mash Ups von Rap, Soul, Pop, Electro und Breaks, die es in mehr als zehn deutschen Städten gibt und auch schon mal in Moskau oder Shanghai gastiert. Gersch bringt die Reihe nach Freiburg und kann aus einem Pool von Promomaterial, Visuals, exklusiven Remixen und DJs schöpfen, die alle mit dieser Reihe verbandelt sind. „Da habe ich beschlossen, das hier richtig aufzuziehen.“ Das ist der Startschuss für Soulside. Zu den ersten Yum Yum Partys im Waldsee kommen nur wenige. „Das ist hier wie eine psychologische Grenze. Wenn man aus dem Stadtkern rauskommt, dann ist auf einmal alles voll weit weg. Obwohl ja jeder ein Fahrrad hat“, begründet Gersch. Inzwischen hat die Reihe durch die Kooperation mit Raimund Flöck vom Jazzhaus dort ein Zuhause gefunden – nur im Sommer geht es zur Abwechslung aufs Gelände von Schmitz Katze. Nach den schwierigen Anfangstagen ist die Veranstaltung an jedem zweiten Samstag inzwischen sehr gut besucht und versprüht eine eigene Stimmung. „Ich schaff es nie, das in einen Satz zu packen. Man muss einfach mal kommen und sich das anschauen.“ Freiburger Partygänger können so selbst nach ihrem Schicksal greifen.

Text & Foto: Daniel Weber

Infos
www.soulside.org
www.facebook.com/yumyumfreiburg