Von den Problemen, zur WM 2014 ein Public-Viewing in Freiburg auszurichten

Ein Spiel dauert 90 Minuten und das Runde muss ins Eckige – Fußball ist, wie wir spätestens seit Sepp Herberger wissen, ganz einfach. Im Gegensatz dazu ist es in Freiburg offenbar umso schwieriger, das Spiel mit den 22 Männern für mehr als ein paar hundert Leute auf Großleinwand öffentlich zu zeigen. Verschiedene Kandidaten haben sich bislang bei der Stadtverwaltung darum beworben, ein massentaugliches Public-Viewing anzubieten. Aus verschiedenen Gründen könnte es im Sommer 2014 aber auch gar kein größeres Kicken-Gucken in Freiburg geben.

 

Die gute Nachricht vorweg: Ganz ohne Freiflächen-Passivfußball-Orgien muss Freiburg auch in diesem Sommer nicht auskommen. „Wir werden wie seit 2006 durchgehend auch in diesem Jahr wieder ein Public-Viewing im Mensa-Garten anbieten“, verspricht Renate Heyberger, die Sprecherin des Freiburger Studentenwerks, „wenn wir allerdings die Einzigen sind, werden wir es wohl wieder so machen, dass nur Studierende reingelassen werden.“ Und darauf könnte es durchaus hinauslaufen.

Mögliches Gelände: Die Infrastruktur beim Areal an der Heinrich-von-Stephan-Straße muss allerdings noch ausgebaut werden.

 

Olaf Maier, Assistent von Waldsee-Geschäftsführer Achim Schönwiese, will auf dem Gelände um die Gaststätte aus geschäftlichen Gründen in diesem Jahr keine Großleinwand aufbauen. Deswegen schaut er sich nach Alternativen um; die stillgelegte Freifläche ums Westbad schien ihm geeignet. Bei der Stadtverwaltung ist er mit dieser Idee aber auf wenig Gegenliebe gestoßen. „Das ist eine wenig vernünftige Geschichte“, sagt Rathaus-Sprecher Toni Klein und begründet die Absage so: „Da haben wir eine Anwohner-Problematik, die Verkehrslage mit maximal 40 Parkplätzen ist schlecht, Bus- und Bahnanbindungen sind zu weit entfernt und zudem wollen wir die Badegäste dort auch nicht in der Kernbadezeit im Sommer durch Public-Viewing-Besucher stören.“ Die Begründung überzeugt Maier nicht ganz. Parkplätze habe es auch bei den großen Veranstaltungen im Eschholzpark keine gegeben, zudem habe er im Westbad mit gerade einmal zwei- bis dreitausend Besuchern geplant und die Badegäste wären bei den späten Anstoßzeiten wohl kaum mit den Fußballfans in Berührung gekommen. Womöglich sei das Westbad wegen der Stadiondiskussion im Westen derzeit so sensibel.

 

Eine aus städtischer Sicht vernünftigere Variante könnte sich an der Heinrich-von-Stephan-Straße anbahnen. Auf dem ehemaligen Postgelände, welches der Strabag Real Estate GmbH gehört, will chilli-Informationen zufolge Karo-Event-Chef Christoph Römmler, der bereits Erfahrungen mit Public-Viewing-Veranstaltungen in Emmendingen gesammelt hat, etwas Größeres aufziehen. „Da gibt es einen seriösen Antrag, der geprüft wird“, bestätigt Klein. Der Standort hätte es aus organisatorischer Sicht allerdings in sich. „Wir haben aus der Presse erfahren, dass das auf unserem Areal stattfinden könnte“, sagt Strabag-Bereichsleiter Martin Lauble, der der Idee gegenüber aufgeschlossen ist. Es seien aber noch Hausaufgaben zu machen, etwa die Prüfung, wie viel Geld ein Veranstalter in die Hand nehmen muss, um die für eine solche Massenveranstaltung nötige Infrastruktur auf dem brachliegenden Abrissgelände zu schaffen. Römmler wollte sich dazu nicht äußern.

 

Ein Spiel dauert 90 Minuten – Herbergers Satz im Hinterkopf will sich auch Maier noch nicht geschlagen geben: „Wir sind nach wie vor auf der Suche nach einer Fläche.“ Viel Zeit hat er nicht mehr. Die WM beginnt am 13. Juni, alle Anträge müssen drei Monate vorher im Rathaus eingegangen sein. Schluss ist aber trotzdem erst, wenn der Schiri pfeift – oder in dem Fall: die Stadtverwaltung.

 

Text & Foto: Felix Holm