Der SWR hat die heftig umstrittene Orchesterfusion beschlossen

Es hat alles nicht genützt: Der 41-köpfige SWR-Rundfunkrat hat am 28. September die Fusion seiner beiden Klangkörper, des Radio-sinfonieorchesters in Stuttgart mit dem Sinfonieorchester Baden-Baden/Freiburg zum Jahr 2016 beschlossen. Mehr als 28.000 Menschen hatten dagegen schriftlich auf orchesterretter.de protestiert, viele Prominente und Fachleute scharf gegen die von Intendant Peter Boudgoust angeschobene Vereinigung gewettert, der Freiburger Gemeinderat sich mit einer Resolution dagegen gewandt.

Dirigent François Xavier Roth und sein Sinfonieorchester.

 

20 Millionen Euro kosten die beiden Orchester jährlich, fünf Millionen sollen sie sparen, weil die Intendanz bis 2020 insgesamt 166 Millionen Euro einsparen möchte. Bis zuletzt, so der Freiburger Orchestermanager Reinhard Oechsler, hatten die Musiker noch die Hoffnung, dass die Aktivitäten des Förderkreises auf der Suche nach einem Alternativkonzept am Ende erfolgreich sein würden. Sie waren es nicht. Der Generalsekretär des Deutschen Musikrates sieht in Boudgoust den „Totengräber“ zweier international renommierter Orchester. „Man muss kein Totengräber der Kultur sein, weil man das Positive der Fusion sieht“, kontert Boudgoust.

„Natürlich sitzt bei mir und den Musikern die Enttäuschung sehr tief. Es ist traurig, wenn man etwas verliert, für das man sich mit aller Kraft eingesetzt hat“, sagt Oechsler. Angst vor einem Arbeitsplatzverlust müssten die Musiker und das Management hingegen keine haben: es gebe Jobgarantien. Der SWR will die Einsparungen vor allem dadurch erreichen, dass die Stellen von in Rente gehenden Musikern nicht neu besetzt werden. Derzeit sind es in beiden Klangkörpern 200, am Ende sollen 120 übrig bleiben. Ob sich aber angesichts der Fusion Künstler überlegen, aus freien Stücken vom sinkenden Schiff zu springen, „das kann man sicher nicht ausschließen“. Nicht zuletzt, weil die Standortfrage des neuen Orchesters nicht geklärt ist.

Diese Frage soll eine „unabhängige“ Kommission entscheiden. Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon und sein Stuttgarter Kollege Wolfgang Schuster haben Boudgoust in einer konzertierten Aktion schon aufgefordert, die Städte an einem fairen und transparenten Standortverfahren zu beteiligen. Die Interessen der Kommunen dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, es dürfe keine Sieger und Verlierer geben.

Auf der anderen Seite erklärte Boudgoust, weder Stuttgart, noch Freiburg oder Baden-Baden hätten konkrete Hilfsangebote gemacht, um eine Fusion zu vermeiden. Bei der Frage, ob es Aufgabe der Kommunen ist, einen öffentlich-rechtlichen Sender finanziell zu stützen, kratzte man sich in den Rathausfluren in der Tat am Kopf. Wohl kaum.

Text: Lars Bargmann / Foto: Wolfram Lamparter