Mit Stars in exklusiven Restaurants essen gehen. Auf den besten Plätzen im Fußballstadion sitzen. Verhandlungen mit zwielichtigen Gestalten führen. Von den Medien verurteilt werden. All das hat die ehemalige Freiburgerin Michaela Sulz zwischen 2007 und 2011 erlebt. In dieser Zeit war sie für die Manager-Agentur „Rogon“ als Spielerberaterin tätig und betreute unter anderem die Nationalspieler Marcel Schmelzer und Julian Draxler.

 

Michaela Sulz ist nicht der bekannte Typ Spielerfrau. Wer an die besseren Hälften der Herren Effenberg und Co. denkt, die zu ihrer Zeit auch mal die Vertragsverhandlungen in die Hand nahmen, hat eine viel geschminkte und knallharte Furie im Kopf. Sulz hingegen ist zurückhaltend, freundlich, fast schon zart. Sie agiert mit Bedacht und überlegt auch mal gerne ein paar Sekunden, bevor sie etwas sagt. Wie passt eine solche Person in eine Branche, in der man geldgierige Mannsbilder mit aufgeknöpften Hemden und ausgefahrenen Ellbogen erwartet?

 

In das vermeintlich lukrative Geschäftsfeld hineingerutscht ist die zweifache Mutter über einen Bekannten, der bei Rogon – eine der größten Berater-Agenturen Deutschlands – arbeitet. „Zu einer seriösen Agentur kommt man vor allem über Beziehungen“, gibt Sulz zu, „da wollen Tausende rein – man muss aber einfach für sehr integer gehalten werden.“

 

Ex-Spielerberaterin Michaela Sulz: "Das ganze ist ein Spiel."

Ex-Spielerberaterin Michaela Sulz: “Das ganze ist ein Spiel.”

 

Die heutige Offenburgerin stieg gleich in leitender Funktion ein und wurde als Koordinatorin für mehrere Spielerbetreuer eingestellt. Als solche kümmerte sie sich um alle erdenklichen kleinen oder großen organisatorischen Notwendigkeiten im Alltag eines Fußballprofis. Etwa um Versicherungsdinge, Umzüge bei transferbedingten Wohnortswechseln, um Aufenthaltsgenehmigungen oder darum, dass die Kinder der Profis am neuen Wohnort einen Kindergartenplatz bekommen.

 

Sie war dafür zuständig, gemeinsam mit Experten Ernährungspläne für Spieler zu erstellen und dafür zu sorgen, dass sich Spieler im Sommer fit halten. „Bei den Brasilianern sind die Pulsuhren, die ihnen die Vereine zur Kontrolle mitgegeben haben, regelmäßig kaputt gegangen“, lacht sie, „wir mussten denen regelrecht hinterhertelefonieren – schon alleine, damit sie wieder rechtzeitig zu Saisonbeginn zurück kommen.“ Aber auch um nichtalltägliche Dinge musste sich Sulz regelmäßig den Kopf zerbrechen. So wurde sie etwa angerufen, wenn ein Fußballer sich einen Hund kaufen wollte. „Wir hatten ein Mega-Kontaktnetzwerk in der Agentur“,  erklärt die ehemalige Beraterin – das reicht eben auch zu Hundezüchtern.

 

Oder zum Fernsehen. Ein KSC-Spieler wollte zur ausverkauften „Wetten dass..?“-Sendung. Die Rogon-Leute ließen die Drähte glühen und am Abend saß er mit drei anderen Spielern im VIP-Bereich. „Man ermöglicht auch Sachen, die man für unmöglich hält“, sagt die blonde Geschäftsfrau, die daraus auch fürs Leben gelernt hat: „Mit Höflichkeit und Hartnäckigkeit findet sich fast immer ein Weg, etwas zu schaffen.“

 

Und dann ist da noch das Feld der finanziellen Beratung eines jungen Menschen, der mit Geld geradezu überschüttet wird. „Leute wie Julian Draxler, Marcel Schmelzer oder Jan Kirchhoff, mit denen ich sehr eng zusammengearbeitet habe, haben sofort verstanden, wenn es um Dinge wie Altersvorsorge geht“, betont Sulz, dass es durchaus vernünftige Menschen unter den jungreichen Fußballern gibt. Einem Südamerikaner musste sie aber auch einmal ausreden, in seinem Heimatland einem Bekannten, der Motorboot fahren wollte, einen ganzen See zu kaufen.

 

Nicht allen Spielerberatern geht es bei der Arbeit aber in erster Linie ums Wohl ihres Klienten. „In dieser Branche gibt es viele Goldgräber und man trifft auch auf viele Menschen, die sich in kriminellen Bereichen bewegen“, weiß die 41-Jährige zu berichten. Sie selbst saß in den fünf Jahren mit Zuhältern und verurteilten Steuerhinterziehern am Verhandlungstisch. Deshalb sei es wichtig, sich davon abzuheben und immer 100 Prozent korrekt zu sein, „viel korrekter als andere in ihrem Alltag sind.“

 

Was für Sulz und ihre Agentur-Kollegen Arbeitsgrundlage war und ist, gilt aber nicht unbedingt für die anderen. So gehört es zum Alltag, dass sich Spielervermittler untereinander beim Finanzamt anzeigen, um das Geschäft und den Ruf des anderen zu sabotieren. „Früher habe ich ans Gute im Menschen geglaubt, aber wenn man eine Weile in der Branche arbeitet, misstraut man prinzipiell jedem“, stellt sie mit einem verzeihenden Lächeln fest, „ich habe so viele Lügengeschichten gehört, dass ich mir angewöhnt habe, jeden, mit dem ich zu tun habe, erst einmal zu googeln.“

 

Wer im Millionengeschäft rund ums schwarz-weiße Leder mittun möchte, sollte niemandem trauen: Auch die Vereine spielen nicht immer fair. „Wechselgerüchte werden durchaus auch von Gegnern lanciert, um Unruhe reinzubringen“, bestätigt die 41-Jährige dieses immer wiederkehrende Gerücht, „manche Vereine verhalten sich da taktisch sehr klug.“ Zorn oder Wut lösen solche Aktionen bei erfahrenen Beratern aber kaum aus. „Das ganze ist ein Spiel“, zuckt Sulz mit den Achseln.

 

Ein Spiel, das phasenweise auf einer fast unwirklichen Bühne ausgetragen wird: „Es ist eine völlig eigene Welt. Fußballer sind wie Popstars und alle drum herum spielen verrückt, tragen ihnen alles hinterher. Alles ist schillernd, Frauen haben gebleachte Zähne und Haarextensions – und viele wollen ans Geld.“

 

Als sie zum zweiten Mal Mutter wurde, war Sulz dem Jetset-Leben überdrüssig: „Das war einfach nicht mehr meins.“ Also wechselte sie das Spielfeld. Arbeitete sie früher für große Jungs wie Kevin-Prince Boateng, Kevin Kuranyi oder Jermaine Jones, stellt sie heute Spielzeug für kleine Jungs und Mädchen her. Wenn man so will, ist ihr Leben also immer noch ein Spiel. Allerdings mit einem feinen Unterschied. Die Sachen, die sie in ihrem Ladengeschäft in Offenburg verkauft, haben alle ein Label, was im Geschäft mit Kickern nicht immer vergeben werden könnte: sie sind 100 Prozent „Fair-Trade“.

 

Text und Foto: Felix Holm