Es waren die Kollegen vom Freiburger Wochenbericht, die das alte Thema Immobilienblase neulich mal wieder neu auflegten. Es sprach ein Experte des Portals Immobilienscout 24. Er meinte, ja, es gäbe eine Blase in Freiburg. „Wie kann man so etwas ungeprüft veröffentlichen“, polterte S-Immo-Chef Thomas Schmidt neulich in der Redaktion. Das sei einfach „Quatsch“.

Immerhin: Nach dem lange nicht eine Wohnung auf dem Güterbahnhof gebaut werden sollte, werden bald die ersten Wohnhäuser erstellt. Wenn man die Studenten- oder Seniorenwohnungen hinzurechnet, wird sogar etwa die Hälfte des 55 Fußballfelder großen Areals fürs Wohnen genutzt werden. Gut für Freiburg.

 

„Es gibt keine Betongold-Blase in Freiburg“, sagt auch Roland Butz von der Volksbank im chilli-Interview. Der Streit ist leicht zu schlichten: Das Portal nimmt die von den Verkäufern ins Netz bugsierten Wunschpreise, die regionalen Experten vertrauen zu Recht lieber dem Bericht des Gutachterausschusses, denn der bekommt die protokollierten Kaufverträge. Und zwischen Wunsch und Realität klafft schnell mal ein Graben, in dem ein Viertel des gewünschten Kaufpreises versinken kann.

 

Realität ist, dass sich der Preis- und Mietenanstieg auf dem deutschen Wohnungsmarkt nach dem jetzt veröffentlichten F+B-Wohn-Index verlangsamt hat. Nur nicht in den Metropolen. „In Berlin, Hamburg und München stiegen die Preise für Eigentumswohnungen erheblich an“, so F+B-Experte Bernd Leugner.

 

So kletterten in den deutschen Millionenstädten die Preise von Eigentumswohnungen in den vergangenen zehn Jahren um knapp 48 Prozent auf 2875 Euro pro Quadratmeter. Vorreiter ist München, wo im zweiten Quartal rund 4800 Euro fällig waren. Freiburg liegt demnach bundesweit auf Rang fünf (mit durchschnittlich 3300 Euro) und ist Spitzenreiter im Ländle. Vor Konstanz auf Rang sieben (3280) und deutlich vor Stuttgart (2800). Auch diese Zahlen spiegeln die Realität nicht wider: 304 neue Wohnungen sind 2013 in Freiburg verkauft worden, für im Schnitt 4245 Euro. Allerdings: Je kleiner die Stückzahlen, umso mehr Einfluss haben teure Projekte – wie etwa das in exquisiter Lage von St. Urban – auf die Statistik.

 

Das Problem ist das nicht vorhandene Angebot. Zwar sprechen vom OB über den Baubürgermeister bis hin zum Bürgerverein mittlerweile alle von fehlenden Wohnungen – auf dem Platz aber tut sich wenig. Weil das Baurecht vieles verunmöglicht. Weil die Verfahren zu lange dauern. Weil Innenentwicklung ein schwieriges Geschäft ist. Auch aber, weil auf Stadtteilentwicklungspläne nun Stadtteilleitlinien folgen, Perspektivpläne gemacht werden und dabei große Ressourcen beim taktischen Erörtern gebunden sind. Das verbessert die Personallage in der (Genehmigungs-)Praxis nicht, wo oft gezaudert wird, wo haufenweise Gutachten und in Mischgebieten auch dann viel Gewerbe gefordert wird, wenn auf der anderen Straßenseite riesige Gewerbeflächen gebaut werden. Die Leistungsfähigkeit und der politische Mut im Baudezernat sind die entscheidenden Größen in der Bekämpfung der Wohnungsnot – und damit der Preisentwicklung. Das ist das eigentliche Thema. Um das zu streiten sich immer wieder lohnt.

 

Text: Lars Bargmann / Foto: FWTM