Freiburgs Erstligabasketballerinnen hoffen auf einen schnellen Umbruchprozess

Klassenerhalt geschafft, neuer Rekordzuschauerschnitt von 900 Besuchern pro Spiel und den Etat für die kommende Runde um 15 Prozent auf 230.000 Euro aufgestockt – also alles eitel Sonnenschein bei den Eisvögeln? Geht man nach der Berichterstattung in den lokalen Medien, haben Freiburgs beste Basketballerinnen eine „Chaos-Saison“ hinter sich. Vor allem der massive personelle Umbruch wurde zuletzt thematisiert: Neun Spielerinnen verließen den Verein, zudem wurde Trainer Stefan Mienack noch während der Runde beurlaubt. „Krankheiten, Verletzungen, Schlendrian, Sorglosigkeit, Selbstüberschätzung“ fasste die Badische Zeitung knapp zusammen. Neu-Coach Sascha Bozic und der alte neue sportliche Leiter Harald Janson gehen dennoch entspannt in die kommende Saison.

Haben gut lachen: Eisvögel-Trainer Sascha Bozic und der sportliche Leiter Harald Janson.

 

Janson muss lachen, wenn er gefragt wird, ob eine derartige Personalrochade normal sei. „Man muss das relativieren“, findet der Fachmann und verweist auf Verletzungspech, studien- und berufsbedingte Abgänge und darauf, dass der Abgang von Anneke Schlüter ja im Grunde sogar ein positives Signal sei. „Sie hat sich über ihre hervorragende Arbeit hier qualifiziert, in die USA ans College zu gehen. Dazu gratulieren wir ihr und das zeichnet schlussendlich auch unser Programm aus.“

 

Zudem herrscht auf den Positionen der ausländischen Spielerinnen traditionell eine hohe Fluktuationsrate. Diese meist aus den USA kommenden Ballkünstlerinnen sind in Freiburg wie auch in anderen Städten oft nur für eine oder zwei Saisons unter Vertrag und nutzen die Deutsche Liga nicht selten als Sprungbrett, um in einem anderen Land an einen lukrative- ren Vertrag zu kommen.

 

„Alles in allem kommt man auf neun Abgänge, das stimmt. Aber man muss eben die Einzelfälle sehen und differenzieren“, ist für Janson diese dramatisch klingende Zahl am Ende doch eher eine Fußnote. Allerdings eine, die für ihn und seinen Neu-Coach Sascha Bozic zu einem turbulenten Sommer geführt hat: „Das war für uns beide eine stressige und arbeitsreiche Zeit. Wir haben viele Videos geschaut, in der ganzen Welt herumtelefoniert. Allerdings ist auch das nicht außergewöhnlich.“

 

Die beiden waren erfolgreich, der neue Kader steht: Neben den drei verbliebenen Spielerinnen und einigen jungen Nachrückerinnen aus der erfolgreichen zweiten Mannschaft, die im vergangenen Jahr in die zweite Liga aufgestiegen ist, hat der Verein drei US-Amerikanerinnen mit vielversprechender Vita für die Eisvögel gewonnen. Im Aufbau wird die 22-jährige Bobbi Knudsen aus Montana die Fäden ziehen. Sie spielte bislang in der zweithöchsten College-Liga in den USA und erhielt dort mehrere Auszeichnungen. Auf dem Flügel soll die athletische Earlysia Marchbanks (23 Jahre) für Wirbel sorgen, und in der Mitte will die 1,88 Meter große Centerspielerin Kacie Sowell (22) aus Seattle Ordnung unterm Korb schaffen.

 

Die spektakulärste Verpflichtung ist den Eisvögelmachern ihrer Meinung nach aber in Person der erst 20-jährgen Elisabeth Dzirma gelungen. „Um es mit unseren Nachbarn vom Fußball zu vergleichen: Wir sind natürlich auf der Suche nach dem neuen Matthias Ginter“, erklärt Janson, warum er sich über den Zugang der U20-Nationalspielerin vom DBB-Stützpunkt in Grünberg besonders freut.

 

Jetzt ist zunächst Arbeit angesagt: Da die US-Spielerinnen erst Ende August zum Team gestoßen sind, bleibt gerade einmal ein Monat, sich auf die am 27. September mit dem Auswärtsspiel in Herne beginnende Saison vorzubereiten. „Es wird sicher erst mal hart“, glaubt daher auch Juliane Hodapp. Sie ist eine der letzten Verbliebenen aus der Vorsaison und mit ihren 24 Jahren nun plötzlich eine der ältesten im rundum neu aufgestellten und verjüngten Team: „Unser erstes Ziel muss mit Sicherheit sein, als Mannschaft zusammenzuwachsen.“

 

Text & Foto: Felix Holm