Heute: Freiburgs männlichste Meile

Ich sehe Autos. Ich sehe Unmengen Fleisch. Ich sehe Motorsägen und Mörtel, Bierbänke und Bohrmaschinen. Ich sehe, höre und rieche Sex. Es geschieht alles auf einmal. Plötzlich schreit Kentucky: „Ficken!“


Verschwitzt wache ich auf. Meine liebe Ehefrau liegt neben mir, nebenan schlummert unser Kind. In der Küche steht Weihnachtsschmuck auf dem Tisch. Alles nur ein Traum? Von wegen.

Freiburg hat sich in den letzten Jahren eine Meile herangezüchtet, die verruchter ist als die Reeperbahn, zwielichtiger als eine illegale Spielhölle zur Prohibitionszeit und männlicher als das, was Dieter Bohlen sich vorstellt, wenn er an sich selbst denkt. Diese Straße des Testosterons, wie sollte sie anders heißen als Tullastraße? Offizier Tulla, dieser männlichste aller Männer, der Ritter, der die Natur unterworfen und den mächtigsten Fluss Deutschlands begradigt hat. Mann-oh-mann!

Fast-Food-Filialen reihen sich hier an Puffs, Baumärkte und Autohäuser. Der Zoll im Norden treibt die Schmuggler in die Gegend, die Biogasanlage in der Mitte hält saubere Ehrenbürger fern. So stellt Mann sich doch das Paradies vor.

Wo ist jetzt also der Haken? Es gibt derer gleich zwei. Erstens ist die Tullastraße nicht im Gespräch, was den möglichen Standort eines neuen Fußballstadions angeht. Da muss man sich doch fragen, ob im Stadtplanungsamt eigentlich keine Männer arbeiten? Und zweitens: Ab dem Kreisverkehr, also ab da, wo der Spaß beginnt, findet sich kein einziges Wohnhaus mehr. Na toll.