Mit mehr als 4000 Beschäftigten erlösten die 37 Tochtergesellschaften der Stadt Freiburg, vier Eigenbetriebe und acht Zweckverbände im Jahr 2012 rund 1,1 Milliarden Euro. So steht es im knapp 140 Seiten starken Beteiligungsbericht, den Finanzbürgermeister Otto Neideck unlängst vorlegte. Jede dieser Seiten ist dabei auf der Investitionsseite fast eine Million schwer, denn die Unternehmen mit städtischer Beteiligung haben zusammen 137 Millionen Euro investiert – und damit doppelt so viel wie die Konzernmutter am Rathausplatz, die im gleichen Zeitraum rund 60 Millionen Euro netto in Schulen und Straßen, öffentliche Gebäude und Brücken gesteckt hat.

Klatscht auch für Stadttöchter Beifall: Otto Neideck (dritter von links), hier auf der Haupttribüne beim SC Freiburg.

 

„Unsere Beteiligungen zeigen auf der einen Seite das breite Spektrum der Daseinsfürsorge für die Bürger und auf der anderen sind sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, berichtete Neideck. Unterm Strich wandern aber nur 6,6 Millionen Euro (2009: 12,1 Millionen) in die Kasse des Stadtkämmerers Bernd Nußbaumer.

Der Beteiligungsbericht ist ein opulentes Zahlenwerk, in dem beispielsweise steht, dass die Aufsichtsratsmitglieder der Flugplatz Freiburg GmbH (Bürgermeister und Stadträte) pro Sitzung 51 Euro vergütet bekamen, was sich auf 1400 Euro summierte. Es steht aber nichts drin zu den Gehältern der Geschäftsführer der städtischen Gesellschaften – weil etwa Bernd Dallmann und Klaus Seilnacht (FWTM), Michael Broglin und Eckhardt Vogt (Abfallwirtschaft) oder Ralf Klausmann (Stadtbau) ihre Verdienste freiwillig nicht offenbaren wollen. „Das wäre für Sie sicher spannend, ist aber aufgrund der Vertragslage nicht möglich“, sagte Neideck. Erst wenn diese Manager ihre Verträge verlängern, müssen sie Farbe bekennen – so hat es der Gemeinderat beschlossen. Nach chilli-Informationen liegen die Gehälter zwischen 150.000 und 200.000 Euro per anno. Einkommensspitzenreiter ist der dreiköpfige Badenova-Vorstand mit Thorsten Radensleben, Mathias Nikolay und Maik Wassmer, der zusammen 1,12 Millionen Euro verdiente.

Die Töchter und Eigenbetriebe sind je nach Geschäftsfeld lukrativ (Badenova, Stadtbau, Abfallwirtschaft) oder defizitär (FWTM, Theater, VAG, Stadtentwässerung). Die Gewinne der einen werden mit den Verlusten der anderen steueroptimiert verrechnet. Im auf den ersten Blick trockenen Bericht lässt sich manches Interessante lesen: Etwa dass die FWMT (mit Messe) im laufenden Jahr Erlöse von 45 Millionen Euro erwartet – und einen städtischen Zuschuss in Höhe von 7,05 Millionen. Oder dass die Badenova im Jahr 2008 rund 1,07 Milliarden Kilowattstunden Strom verkaufte, 2012 aber schon 1,85 – was angesichts des hart umkämpften Marktes ein erstaunliches Plus ist.

Oder dass die Regio Bäder GmbH die Einnahmen aus dem Bäderbetrieb zwischen 2008 und 2012 mehr als verdoppelte. Oder auch, dass die Abfallwirtschaft im Jahr 2000 noch knapp 32.000 Tonnen Restmüll entsorgen musste, 2012 aber nur 20.786 – was angesichts der wachsenden Bevölkerung wohl nur mit der höchst inoffiziellen Freiburger Weltmeisterschaft im Mülltrennen begründet werden kann. Neideck jedenfalls, so etwas wie der Vater der „Mutter Stadt“, bezeichnete die Aktivitäten der Kinder als „sehr zufriedenstellend“. Er weiß: Wenn das Rathaus selber Bäder und Parkhäuser betreiben, Tram und Bus fahren, Abfall abfahren oder Wohnungen bauen und vermieten müsste, dann wäre die Bilanz mit Sicherheit nicht besser.

Text: Lars Bargmann / Foto: © Neithard Schleier