Muggel aufgepasst: Im Dietenbachgelände trainiert seit einigen Wochen das neu gegründete Quidditch-Team Black Forest Bowtruckels. Auf Besen reitend üben hier Studierende einen Sport, der es aus den Harry-Potter-Romanen in die reale Welt geschafft hat. chilli-Autorin Tanja Bruckert hat sich selbst einen Besen zwischen die Beine geklemmt und versucht, der Faszination für den Zauberer-Sport auf den Grund zu gehen.

Der Profi auf dem Turnierbesen …

 

Im Stadion jubeln Zauberer in schwarzen Capes, Spieler jagen auf Rennbesen durch die Luft. Der Schnatz, ein goldener Ball mit Flügeln, flattert durch die Zuschauerreihen. Die Arena ist von Magie erfüllt. Leider hat die Wirklichkeit mit einem Harry Potter-Roman nicht viel gemein. Ich stehe mit einer Art Gardinenstange zwischen den Beinen auf einer Wiese im Dietenbachpark und versuche, nicht von einem blauen Ball getroffen zu werden. Zu allem Überfluss regnet es auch noch. Zumindest schützt mich das vor neugierigen Zuschauerblicken, denke ich – und werde gleich eines Besseren belehrt. „Hey, Harry!“, tönt es von einer nahen Baumgruppe. „Harry ist nicht da“, erwidert Juliane Schillinger, Gründerin und Leiterin unserer Quidditch-Gruppe schlagfertig, „Harry spielt in England“. Sie ist dumme Sprüche gewohnt.

Einen guten Rat hat sie noch für uns, bevor es losgeht – nicht auf unsere Trainingsbesen zu fallen –, und schon kommt der Ball auf mich zugeflogen. Vor Schreck lasse ich meinen Besen los.

Bei Schillinger, die nicht nur 13 Jahre Handball gespielt, sondern auch die meiste Quidditch-Erfahrung hat, sieht das schon professioneller aus. Sie schießt auf ihrem Besen – ein richtiger Turnierbesen, keine PVC-Meterware – mit dem roten Quaffel auf das Tor zu, macht einen Bogen um die beiden Treiber, die versuchen, sie mit den Klatschern abzuwerfen, weicht dem Quidditch-Torwart, dem sogenannten Hüter, aus und wirft ihren Ball durch einen der Torringe. Zehn Punkte für ihr Team.

… die Neulinge auf PVC-Stangen: Juliane Schillinger und ihr Quidditchteam beim Training im Dietenbachpark.

 

Es wirkt wie eine Mischung aus Hand- und Völkerball – wäre da nicht diese Plastikstange zwischen meinen Knien. „Mit einem Besen durch die Gegend zu rennen, ist einfach lustig“, erklärt die Umweltnaturwissenschafts-Studentin ihre Faszination für den Harry-Potter-Sport, „klar, man muss dafür etwas nerdig sein.“

Kennengelernt hat sie Quidditch bei einem Auslandssemester in Kanada an der Uni. Dort hat es der Besensport schon lange aus den Buchdeckeln heraus geschafft, in den USA wird mittlerweile die siebte WM ausgetragen. Doch auch in Deutschland ist der Fun-Sport im Kommen: Seit Jahresbeginn hat sich die Zahl der Mannschaften von zwei auf sechs verdreifacht. „Wir arbeiten daran, noch weitere Teams zu gründen“, sagt die 21-Jährige, die mit den anderen Mannschaften in regem Kontakt steht. Ihr nächstes Ziel ist, mit den Freiburgern im Juli zu einem Turnier nach Frankfurt zu fahren.

Die eine oder andere Flugstunde ist dafür sicherlich noch nötig – ich bin nicht die einzige, die an diesem Tag zum ersten Mal dabei ist. Doch nach zwei Stunden Training bin ich nicht nur schweißgebadet, sondern habe auch festgestellt: Quidditch hat einen nicht zu leugnenden Fun-Faktor. Vor allem, wenn die Fantasie der Spieler anfängt zu sprudeln: Vorlieben für einzelne Hogwartshäuser werden geteilt – selbst ein Slytherin ist unter uns –, und als drei ältere Damen in wallenden Kleidern und weißen Kopftüchern vorbeilaufen, ist klar: Das können nur Dementoren sein.

Nur mit dem Fliegen klappt es noch nicht. Doch auch dafür hat Schillinger eine Erklärung: „Natürlich könnten wir fliegen. Wir dürfen nur nicht – zu viele Muggel anwesend.“

Text & Fotos: Tanja Bruckert

www.facebook.com/blackforestbowtruckles