Der Schwarzwald während des 30-jährigen Krieges. Freiburg wird bombardiert, durch Baden ziehen feindliche Armeen und Söldnertruppen, die bis in die abgeschiedenen Täler des Schwarzwalds vordringen. In dieser Zeit lässt der Schriftsteller Oliver Becker seine historische Trilogie über die „Krähentochter“ Bernina spielen, deren letzter Band „Die Entscheidung der Krähentochter“ jetzt im März erscheinen ist. chilli-Volontärin Tanja Bruckert hat sich mit dem 1969 in Blumberg geborenen und einstigen Wahlfreiburger über die Rolle des Schwarzwalds in der damaligen Zeit unterhalten.

Oliver Becker
chilli: Herr Becker, Sie leben seit Ihrer Studienzeit nicht mehr im Schwarzwald. Warum haben Sie Ihre Trilogie in Ihrer alten Heimat spielen lassen?
Becker: Der Hauptgrund war sicherlich unterschwelliges Heimweh. Ich habe mein Abitur noch in Donaueschingen gemacht, bin dann aber für ein Germanistik- und Politikstudium nach Freiburg gezogen und lebe mittlerweile in Frankfurt. Als ich angefangen habe zu schreiben, habe ich gemerkt, dass mich die alte Heimat nicht loslässt. Die abgelegenen Schwarzwaldtäler und die besondere Atmosphäre der kleinen Dörfer sind der ideale Rahmen für einen Historienroman – hier fühlt man sich ab und an noch heute ins 17. Jahr-hundert zurückversetzt.

chilli: Der Bauernhof Ihrer Protagonistin gehört zu einem fiktiven Ort namens Teichdorf. War die Quellenlage zu dünn, um ein reales Dorf aus dem 17. Jahrhundert zu rekonstruieren?
Becker: Teichdorf hat mehrere Orte zum Vorbild wie Ettenheim oder die Dörfer rund um St. Peter. Quellen zur Geschichte dieser kleinen Orte zu finden, war tatsächlich schwer, da sie nicht so gut dokumentiert ist wie etwa die von Freiburg oder Offenburg – Orte, in denen auch große Schlachten stattgefunden haben. Ich wollte jedoch eine unbedarfte Hauptfigur erschaffen, die abseits des Geschehens aufgewachsen ist und dann mit dem Leser zusammen die Welt des 30-jährigen Krieges entdeckt.

chilli: Welche Rolle hat der Schwarzwald gespielt?
Becker: Das Dreiländereck, das den Schwarzwald heute so attraktiv macht, war früher eine Gefahr für die Bewohner: Einerseits gehörte der Schwarzwald zum Kaiserreich, andererseits hatte er die französische Grenze ganz in der Nähe. Und so zogen zahlreiche Armeen mit verschiedenen Interessen durch Baden, die sich oft auch in kleineren Städten wie Ettenheim versammelt haben.

chilli: Die Themen des neuen Romans sind Kriegsalltag, Hexenverfolgung, Schandpfähle, Fehlgeburten – warum haben Sie für Ihre Trilogie solch eine dunkle Epoche gewählt?
Becker: Die Entscheidung für einen historischen Roman habe ich sicherlich auch aufgrund meiner Arbeit in einer Werbeagentur getroffen. Da ich sehr viel mit neuen Medien zu tun habe, fand ich es interessant, mich in eine Zeit zurückzuversetzen, in der es all das noch nicht gab. Außerdem hatte das Leben damals auch schöne Seiten. In meinen Romanen kommen auch Kirchenfeste, Hochzeiten oder etwa ein Jahrmarkt auf dem Freiburger Münsterplatz vor. Die fröhliche Marktatmosphäre werden viele Freiburger wiedererkennen.

chilli: Können Sie sich vorstellen, wieder in den Schwarzwald zurückzukehren?
Becker: Momentan noch nicht. Aber in ein paar Jahren, wenn ich nicht mehr in der Werbung arbeiten sollte, werde ich sicherlich darüber nachdenken.

Cover: Die Entscheidung der Krähentochter
Oliver Becker
Die Entscheidung der Krähentochter
470 Seiten
Gmeiner-Verlag, 2013
12,99 Euro


Foto: © Oliver Becker