Dichtung, Wahrheit?

Lothar Kaltenbach, Weinhändler und Freizeitdetektiv aus Emmendingen, nimmt das Vermächtnis eines ermordeten Stadtarchivars an und begibt sich auf die Suche nach Spuren, die Johann Wolfgang Goethe im Breisgau hinterlassen hat. Zwar kann er mit den deutschen Klassikern nicht viel anfangen, aber er will den Mörder finden – und kommt an diesen nur über die Annäherung an Goethes Werk und Biographie heran.

Die Spurensuche führt nach Freiburg: Möglicherweise hatte hier im Jahr 1779 ein Meister der Freimaurer den Meister der Dichtung dazu überredet, das Epos „Hermann und Dorothea“ umzuschreiben – wegen allzu deutlicher Bezüge zu seiner Schwester Cornelia Schlosser, die die letzten Jahre ihres Lebens in Emmendingen verbrachte. Und möglicherweise ist auch das Manuskript dieser veränderten Fassung irgendwo in Freiburg zu finden. Doch auch der Mörder ist hinter der Original-Handschrift her: Allerdings nicht aus wissenschaftlichem Interesse, sondern aus reiner Geldgier. Es kommt zum Wettlauf um das gewinnbringende Dokument – und der endet beinahe tödlich. Eine gute Krimi-Idee, die indes spannender hätte umgesetzt werden können. Es gibt viele Ungereimtheiten bei der Wahrheitsfindung.

Text: Erika Weisser

 

"Blutkapelle" von Thomas Erle

Thomas Erle
Blutkapelle
297 Seiten,
Taschenbuch
Gmeiner Verlag, 2014
11,99 Euro