Die Stadt klingt: Hunderte Musiker machen die City bei „Freiburg stimmt ein“ (FSE) zur Megabühne. In ihrem fünften Jahr platzt die Veranstaltung aus allen Nähten – mehr als 100 Bands, Ensembles und Chöre, 19 Bühnen, eine Stadt. Showtime: Sonntag, 28. Juni 2015.

 

Freiburg stimmt ein: Stadt wird Megabühne

Entspannt: Konzert bei Freiburg stimmt ein 2014 auf dem Schlossberg

 

 

Kommt man ins Büro der FSE-Cheforganisatoren Stefan Sinn (63) und Matthias Gänswein (27), wirkt alles recht beschaulich. Kleines Büro, ein PC, zwei entspannte Festivalchefs. Doch der Eindruck täuscht. „Freiburg stimmt ein” hat sich seit seiner Erstauflage im Jahr 2011 konstant entwickelt. Aus einst zwölf Bands sind mehr als 100 geworden. „Es knallt durch alle Wände“, sagt Sinn, während er sich im vierten Stock des kulturparks Freiburg einen Kaffee macht. Die Organisation des fünften FSE ist eine Mammutaufgabe.

 

In nur einem Jahr hat sich die Teilnehmerzahl fast verdoppelt: 70 Bands waren es im Vorjahr, erstmals kommen nicht alle Bewerber zum Zug: Unter den Auserwählten ist in diesem Jahr auch die Freiburger Funkband Fatcat. „Mitten im Sommer, draußen, die ganze Szene ist da, das ist einfach ein schöner Anlass“, schwärmt Keyboarder Ferdinand Klamt. Die Band ist deutschlandweit unterwegs, spielt normalerweise nur gegen Gage. Für FSE macht sie eine Ausnahme.

 

6500 Zusagen hat FSE 2015 bereits auf Facebook. Ab 16 Uhr werden unter dem Motto „Umdenken leben – und feiern“ 19 Plätze bespielt. Vom Kanonenplatz auf dem Schlossberg über die Seeparkbühne bis zum neuen Skatepark am Dietenbachsee ist alles dabei. Der Eintritt ist frei. „FSE ist eine Mitmachveranstaltung. Wir wollen, dass die Musik raus aus den Spielstätten kommt, hin zu den Leuten“, sagt Sinn. Er will damit vor allem weg vom Kommerz. In Freiburg wird ihm „zu viel Energie in High-End-Kultur“ gesteckt. Es fehle an der Breite. Sein Non-Profit-Festival ist auch eine Plattform für soziokulturelle Initiativen. So präsentieren sich beispielsweise die Wasserinitiative „Viva con agua“ und die Kinderhilfsorganisation „Terre des Hommes“.

 

Musikbotschafter: Stefan Sinn und Matthias Gänswein sind die Chefs des Festivals.

Fokussiert: die Festivalmacher Stefan Sinn (links) und Matthias Gänswein

 

 

Hauptveranstalter sind Stefan Sinns Verein „Kultur leben“ und das Freiburger Kulturamt. Unterstützt werden sie von Bürgervereinen, Fotografen und vielen weiteren Helfern. Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach gefällt das Konzept: „Das ist in der Form einzigartig.“ Die permanente Entwicklung wird honoriert. Seit vergangenem Jahr bekommt FSE von der Stadt eine konzeptionelle Förderung von jährlich 2500 Euro. Wenn sich FSE weiterentwickle, könne man über eine institutionelle Förderung nachdenken, sagt von Kirchbach. Mehr Geld könnten die Veranstalter gut gebrauchen. „Wir zahlen drauf“, sagt Sinn.

 

Musikalisch ist bei FSE in diesem Jahr für fast jeden was dabei: vom Swingchor über Jazz bis HipHop. Sogar traditionelle Volksmusik ist geboten, neu interpretiert von der Gruppe Badische Bråtwurschtmusig. Die Kirchzartener sind der einzige Act, der bei bisher allen vier FSEs gespielt hat. Dieses Jahr spielt die Gruppe ab 19 Uhr auf dem Goetheplatz. Echte Bratwürste sind auf dem Festival aber nicht zu kriegen. An den Festivalständen gibt es ausschließlich vegetarisch-veganes Essen und alkoholfreie Getränke.

 

www.freiburgstimmtein.de

 

Text: Till Neumann & Fotos: © Fionn Große / Till Neumann