Auch 2012 war ein gutes Jahr für Wohnungsanbieter – zu diesem Schluss kommen die Vorstände der beiden großen Freiburger Baugenossenschaften Bauverein Breisgau und Familienheim Freiburg. Fast 30 Millionen Euro haben sie in den Neubau und in die Modernisierung ihres Bestandes investiert. Beide verzeichneten wieder deutliche Mitgliederzuwächse und meldeten Mitte Juni Überschüsse in Millionenhöhe. Ob das Wachstum des Wohnungsbestandes mittelfristig allerdings mit den steigenden Mitgliederzahlen mithalten kann, darf bezweifelt werden: Sowohl Bauverein-Geschäftsführer Reinhard Disch als auch die Familienheim-Vorstände Werner Eickhoff und Anja Dziolloß setzten im Hinblick auf die noch bebaubaren Flächen in Freiburg besorgte Mienen auf.

Familienheim-Wohnungen in Zähringen.

Familienheim-Wohnungen in Zähringen.


„Das Genossenschaftsmodell ist weiterhin aktuell“, sagte Eickhoff. Gründe dafür gibt es genügend. „Der Mietwohnungsmarkt in Freiburg ist eng, und wir bieten faire Wohnungen in guter Lage“, nannte er die zwei wichtigsten. Sein Kollege Disch sieht das ähnlich: „Die Prognosen, die ja auch die Stadt gemacht hat, dass Wohnraum fehlt und weitere 1000 Wohnungen pro Jahr benötigt werden, kann ich bestätigen. Das spüren wir auch aufgrund der Nachfrage nach Mitgliedschaften.“

Immer mehr Menschen rennen zu den Genossen – hierin liegt aber auch deren Krux: Bei der Familienheim kletterte deren Zahl um 264 auf 6183, beim Bauverein um 784 auf 17.387. Beide zusammen hingegen schafften unterm Strich nur 27 neue Wohnungen – auch weil Häuser abgerissen und derzeit neu aufgebaut werden. So werden die Wartelisten länger und länger. „Vor wenigen Jahren hatten wir 400 bis 450 Wartende, heute sind wir schon bei etwa 600“, berichtete Eickhoff.

Das Kernproblem: Es fehlt Bauland. Zwar bestätigen sowohl Dziolloß als auch Disch, dass die Stadtverwaltung Signale gesendet habe, bei der Vergabe von zukünftigen Bauflächen wie etwa den Gutleutmatten in Haslach die Genossenschaften stärker zu berücksichtigen, „aber bis es da zum ersten Spatenstich kommt, vergeht mindestens noch ein Jahr“, glaubt Disch.

BVB-Wohneinheiten am Keltenbuck in Kirchzarten.

BVB-Wohneinheiten am Keltenbuck in Kirchzarten.


Das bedeutet für die Genossen aber längst nicht, dass sie zur Untätigkeit verdammt sind. Beide haben aktuell noch Projekte in Freiburg, die fertiggestellt werden müssen. Der Bauverein wird sich zudem im kommenden Jahr auch verstärkt um Neubauten im Umland kümmern – die Einberufung des Kirchzartener Bürgermeisters Andreas Hall in den Aufsichtsrat darf als Zeichen in diese Richtung gewertet werden. Und bei der Familienheim will man sich weiterhin dem Thema Sanierungen widmen, wie Dziolloß erzählt: „77 Prozent unserer Gebäude sind saniert – da bleibt ja noch ein wenig zu tun.“ Zudem wird 2013 das erste errichtete Gebäude der Familienheim, das am Rennweg steht, abgerissen und durch einen modernen Neubau mit 49 Wohneinheiten ersetzt.

Text: Felix Holm / Fotos: Familienheim Freiburg / Bauverein Breisgau

Infos: www.bauverein-breisgau.de & www.familienheim-freiburg.de