Es war nur eine kleine Pressekonferenz, aber sie entfachte einen überraschenden Streit: Bernd Dallmann, Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM), hatte zusammen mit Stadtbau-Geschäftsführer Ralf Klausmann Journalisten neulich ein Grundstück für einen möglichen Hotelneubau am Keidel-Bad gezeigt. Man sei auf der Suche nach Investoren. Dallmann sagte, die Auslastung der Hotels sei in den vergangenen acht Jahren von 45 auf 55 Prozent gestiegen. Einen gemäßigten Zubau würden auch die ansässigen Hoteliers gutheißen. Es habe seitens der Hotellerie auch noch nie Ablehnung wegen der Ansiedlung neuer Hotels gegeben. Allein, er hatte die Rechnung ohne die Wirte gemacht.


Die seien kollektiv empört, schrieb Klaus Althoff, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands in Freiburg. Derartige Behauptungen ohne vorherige Gespräche mit den Beteiligten seien „nicht zu akzeptieren“. Eine Wirtschaftsförderung, „die ohne erkennbare Strategie“ mittelständische und familiengeführte Betriebe durch Überkapazitäten und Dumpingpreise „in ihrer Existenz gefährden“ würde, sei kontraproduktiv. Eine Auslastung von 55 Prozent reiche nicht aus, um die Kosten zu decken. Und schließlich sei Dallmanns Meinung, wonach die Preise „beruhigt“ werden müssten, auch falsch: Nach den 2012-er Zahlen des Berliner Branchendienstes MKG Hospitality ist die Entwicklung der Freiburger Hotellerie bei der Auslastung zwar leicht über dem Bundesdurchschnitt, der gemittelte Preis pro Zimmer liegt jedoch deutlich darunter.

„Papier ist geduldig“, kommentierte Dallmann die Attacke. Er finde darin keine guten Argumente und bleibe dabei, dass bei steigenden Besucherzahlen auch weiter „ein gemäßigter, quantitativer und qualitativer Zubau“ nötig ist – und ein solcher preisdämpfend wirkt. 55 Prozent Zimmerauslastung seien 70 Prozent Bettenauslastung, er kenne keinen Hotelier, der ihm erzähle, das Geschäft laufe schlecht. Vielmehr profitierten die Hoteliers von der Senkung der Mehrwertsteuer und das mache sich an Standorten mit steigenden Übernachtungszahlen stärker als anderswo bemerkbar.

Von den elf derzeit zur Diskussion stehenden Standorten für neue Hotels würden „längst nicht alle“ realisiert. Und schließlich entscheide das auch nicht die FWTM, sondern der Markt.

Um Freiburg touristisch weiter zu entwickeln, so Althoff, bedürfe es eines ganzheitlichen Marketing- und Tourismuskonzeptes, damit die Auslastung der Hotellerie möglichst gleichmäßig im Jahr verteilt wird. Für Dallmann sprechen die steigenden Gästezahlen indes eine klare Sprache: „Wir machen hier schon lange sehr gute Tourismuspolitik.“ Dallmann kündigte in dem Zusammenhang eine Nachricht mit Tragweite an. Mehr könne er dazu aber erst in zwei Monaten sagen.

Text: Lars Bargmann / Foto: Daniel Weber