Die Last wird leicht, wenn mit Geschick man sie trägt“, predigte schon der weise Epiker Ovid. Genialer Ansatz und eigentlich der ultimative Werbespruch für das Crowdfunding-Projekt „Lastenvelo Freiburg“, das fünf Freiburger unlängst gestartet haben. Ihr Ziel: Lastenräder – mit denen sich sogar eine Waschmaschine transportieren lässt – als attraktive Alternative zum Auto in den Köpfen der Freiburger zu verankern. Bis jetzt sind die praktischen Dreiräder im Stadtbild der Green City nämlich Mangelware. Bald gibt es schon eine zweite Version mit eingebautem Bordcomputer – das chilli schnappte sich den Prototyp.

 

Egal, ob Waschmaschine oder Fliesenkleber: Das Lastenrad schafft 120 Kilogramm

Das Lenkrad schwenkt heftig nach rechts, der Fuß rutscht prompt von der Pedale und schon steuert das Lastendreirad beängstigend selbstständig auf die parkenden Autos zu. Jetzt heißt es: Bremse drücken, Blick nach vorne richten und Gleichgewicht wieder herstellen, bevor das Auto da vorne in die Lackiererei muss. Aber der Schreck lässt bald nach und auf einmal wird die Fahrt richtig – gemütlich. Die fünf Säcke, die mit ihren 120 Kilo die Ladefläche ganz schön belasten, wirken nach den ersten Pedaltritten federleicht. Auf geht’s: einmal quer über den ganzen Parkplatz. Gut, richtig schnell wird man nicht: Der Fußgänger kann noch gemächlich nebenher trotten. Aber es geht voran und das ist schließlich das Wichtigste.

 

Voran geht es mit den Lastenrädern übrigens schon seit dem 20. Februar. An dem Tag endete nämlich die Crowdfunding-Aktion, mit der die fünf Freiburger Robert Schneider, Philip Holderried, Johannes Schmid, Michael Mang und Christoph Pfisterer 7750 Euro fürs Projekt „Lastenvelo Freiburg“ gesammelt haben. 500 Euro steuerte das Freiburger Rathaus mit dem Verleihen des Klimapreises bei. Der Idee der stressfreien Ausleihe von Lastenrädern in Freiburg stand damit nichts mehr im Weg.

 

Konkret will das Quintett den Freiburgern ermöglichen, überall in der Stadt ein Lastenrad auszuleihen, um sperrige und schwere Frachten – vom Bierkasten bis zur Waschmaschine – ohne großen Aufwand zu transportieren. Bis zu 120 Kilo halten die Räder aus. Die Radler können die Dreiradesel online reservieren (lastenvelofreiburg.de) und sehen auch gleich, wo sie stehen.

 

Die laufenden Kosten sollen durch Spenden und Sponsoren gedeckt werden – auf den Rädern sind noch Werbeflächen frei. Ähnliche Konzepte gibt es schon in Köln und München, wobei die Lastenräder hier nur bei bestimmten Radläden und nur während der Öffnungszeiten ausgeliehen werden können. Genau das macht die Besonderheit des „Lastenvelo Freiburg“ aus: es kann überall abgestellt und abgeholt werden.

 



„Das Besondere an unserem Konzept ist das kostenlose Rad-Sharing“, erklärt der Initiator Robert Schneider, während er und sein Kompagnon Johannes Schmid bei der Probefahrt auf dem Güterbahnhofsgelände zuschauen. „Immer schön den Lenker geradehalten“, ruft Schmid ermutigend. Leichter gesagt als getan. Eine vollendete Kurve hinzu- kriegen, erweist sich als echter Kraftakt. Aber mit ein bisschen Übung findet sich der richtige Dreh.

 

So, letzter Wendeversuch: Einmal ganz nach links lehnen, auf das Gleichgewicht achten, und den Lenker ganz nach links ziehen. Geschafft! Sogar ohne Autokratzer.

 

Text: Sofia Conraths / Fotos: Sophie Radix, Sofia Conraths