Unverstandene Signale

Obwohl Andrea Hensgen vor drei Jahren die fieberhaften Vorbereitungen auf den Papstbesuch in Freiburg gleichsam hautnah – vor ihrer Vörstettener Haustür – erlebt hat, verlegt sie dieses Jahrhundertereignis literarisch kurzerhand nach Karlsruhe.

Macht aber nichts: Sie hat schließlich kein historisches Sachbuch verfasst. Sondern einen Roman über ein fatales Beziehungsgeflecht, das sich zwar in der Diskussion unterschiedlicher Welt- oder Gottesanschauungen überhaupt erst entwickelt, das aber überall hätte entstehen können zwischen Personen, die sich fremd sind.

 

Und es bleiben: Denn Kolja, ein vorübergehend in der Stadt weilender Unternehmensberater und Einzelgänger, ist unfähig, die Signale der Menschen um ihn herum richtig zu deuten. Da er allein von sich und seinen Bedürfnissen ausgeht, übersieht er, dass die religiöse Simona eine andere Nähe sucht als die, die ein erotisches Abenteuer bietet. Als sie ihm dennoch näher kommt als geplant, verschließt er sich sofort – auch gegenüber der Ahnung, dass ihr Sohn in ihm die lang ersehnte Vaterfigur sieht. Die Chronik dieser sich unterschwellig anbahnenden Katastrophe ist der Autorin gut gelungen. Sie wäre sehr gut gelungen, wenn sie das eigentliche Nebenthema, den baldigen Papstbesuch, nicht so sehr in den Vordergrund gestellt hätte.

 

Text: Erika Weisser

 

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Andrea Hensgen
Der Papst kommt
196 Seiten
Lindemanns
Bibliothek, 2013
14,80 Euro