Angefangen hat alles im Jahr 1988 in der Galerie Schwarzes Kloster mit einer Gruppenlesung von zwölf Autoren des kurz vorher gegründeten Vereins „Literatur Forum Südwest“ – der damals noch ohne Räumlichkeiten und ohne Budget agieren musste. Mittlerweile ist das von diesem Verein getragene Literaturbüro in Freiburg fest etabliert und zusammen mit dem Kommunalen Kino – das in diesem Jahr sein 40-jähriges Jubiläum feiert – im Alten Wiehrebahnhof untergebracht. chilli-Volontärin Tanja Bruckert hat sich mit Literaturbüro-Leiterin Stefanie Stegmann darüber unterhalten, wie sich das Literaturbüro seit seiner Gründung gewandelt hat.

Stegmann

 

chilli: Verfolgt der Verein heute noch die gleichen Ziele wie vor 25 Jahren?
Stegmann: Die Ausrichtung war damals eine ganz andere. Der Verein hat sich ursprünglich aus einer Oppositionshaltung heraus gegründet, da es damals von städtischer Seite aus hieß, es gebe in Freiburg keine ernstzunehmende Literatur. Ziel des Vereins war es daher, den lokalen Autoren eine Plattform zu geben und den Gegenbeweis anzutreten. Unser heutiges Selbstverständnis vor allem als Literaturveranstalter hatte damals einen anderen Stellenwert.

chilli: Wurde das Ziel, der regionalen Literatur mehr Öffentlichkeit zu verschaffen, erreicht?
Stegmann: Ja, mit Veranstaltungsformaten wie dem Freiburger Andruck, in dem Freiburger Autoren ihre neuen Bücher bei wechselnden Veranstaltern vorstellen, sprechen wir ein breites Publikum an. Auch der lange Abend der Freiburger Literatur, der in diesem Jahr während der Jubiläumsfeier am 19. Juli stattfinden wird, ist ein Format, das die aktive, interessante und breite Szene literarischer Stimmen vor Ort sichtbar macht. Bei diesem Mini-Festival-Abend stellen sowohl etablierte als auch unbekannte Autoren und Übersetzer in Kurzlesungen ihre Texte vor.

chilli: Seit acht Jahren leiten Sie das Literaturbüro. Hat sich in dieser Zeit die Freiburger Literaturszene verändert?
Stegmann: Ich habe den Eindruck, dass lokale literarische Szenen breiter wahrgenommen werden. Neue Formate, etwa die Lesewanderung „Sätzlinge“ durch den Stühlinger, sprechen vermehrt auch junge Menschen an, die hier leben und schreiben. Der Ort, an dem Literaturvermittlung stattfindet, ist dabei durchaus bedeutend, um ein Publikum zu erreichen, das nicht eh schon so literaturaffin ist, dass es quasi von selbst unser Haus findet. Und so gibt es themen-, autoren- und ortsbezogen jeweils eine variierende Publikumszusammensetzung, und das ist auch gut so – das ist unser Ansatz.

chilli: Ist es schwerer geworden, in Zeiten von Twitter & Co. auch junge Menschen zu erreichen?
Stegmann: Zu sagen, dass heute nur noch getwittert und nicht mehr gelesen wird, ist sicher zu kurz gegriffen. Im asiatischen Raum etwa werden Kurzgeschichten und Fortsetzungsromane viel stärker nachgefragt als bei uns, weil Menschen etwa auf ihrem Smartphone in der U-Bahn auch Literatur lesen. So entstehen durch die technischen Möglichkeiten auch neue Lesegewohnheiten. Wir merken zwar, dass es eine Herausforderung ist, die Jugendlichen direkt zu erreichen, wenn wir dann aber einen Draht zu ihnen hergestellt haben, ist das Interesse an unseren Angeboten groß. Das sieht man etwa an unserem Jugend-Schreibwettbewerb, für den wir jedes Jahr zwischen 70 und 150 Einsendungen erhalten.

Jubiläumsfest im Alten Wiehrebahnhof
Fr., 19. Juli ab 20 Uhr: Langer Abend der Freiburger Literatur (8/6 € Eintritt)
Sa., 20. Juli ab 16 Uhr: Kinderprogramm, Kino und Party (Eintritt frei)
www.literaturbuero-freiburg.de

Foto: Klaus Polkowski