Die Sonne brennt auf den Asphalt. Uralte Mercedes-Benz und breite Jeeps schieben sich durch die Hauptstraße in Beiruts Hamra-Viertel. Ungeduldige Autofahrer veranstalten ein ohrenbetäubendes Hupkonzert. Julian Maier-Hauff flüchtet sich schnell auf die andere Straßenseite, bevor ihm wieder ein Schwung Autos den Weg versperrt. Beirut ist für den Wahlfreiburger Neuland. Der junge Live-Act-Musiker ist für einen Auftritt in die libanesische Hauptstadt gereist. chilli-Autorin Juliane Metzker hat ihn dort kurz vor dem Auftritt getroffen.

 

Am 6. Juni hat der 22-Jährige zum Abschluss der Beirut Designer Woche (BDW) performt. Sein außergewöhnlicher Musikstil hat viel mit Sound-Design zu tun: Er improvisiert Klänge der Jazztrompete mit elektronischer Musik und zwar live, mit einer Loop-Station, einem Effektgerät, mit dem man kurze Tonsequenzen aufnehmen und in einer Endlosschleife – einem „Loop“ – wiedergeben kann.

Der Klangtüftler Julian Maier-Hauff ist für einen Auftritt in den Libanon eingeladen worden – und hat sich dort prompt verliebt.

 

Schnell raus aus der sengenden Hitze: Jetzt braucht der gebürtige Lahrer erst einmal eine Abkühlung. Im bunten Künstlercafé „Ram“ bestellt er sein libanesisches Lieblingsgetränk „Limon Nana“ – eine süße Minzlimonade. Von Aufregung vor dem Auftritt am nächsten Tag ist bei ihm nichts zu spüren: „Ich freue mich total darauf. Da ich immer live spiele, kann ich ausprobieren, was dem Publikum gefällt. Ich weiß, es kann alles passieren. Für andere wäre so etwas das komplette Chaos. Aber mir gibt das Sicherheit.“

 

Mit Straßenmusik fing für Maier-Hauff vor knapp fünf Jahren alles an. Von seinem Erspartem kaufte er eine Loop-Station und reiste mit einem befreundeten Musiker durch Süddeutschland, um spontan überall dort aufzutreten, wo es ihnen gefiel. Vorher spielte er nur Jazztrompete, doch die war ihm dann nicht mehr genug: „Jazzmusik gab mir die Möglichkeit, mich selbst zu erfinden und eigene Melodien zu improvisieren. Elektronische Musik war für mich die logische nächste Stufe musikalischer Freiheit.“

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Danach trat er auf diversen Festivals in Deutschland auf und tourte mal als Solokünstler oder mit der Improband Lektron. Doch die Straßenmusik lässt ihn nicht los. In Freiburg und Umgebung lädt er gerne zu Spontanpartys unter freiem Himmel ein.

 

Der Beiruter und der Freiburger Musikgeschmack lägen gar nicht so weit auseinander: „Die jungen Leute hier stehen auf popkulturelle und elektronische Musik. Die deutsche Technopartykultur ist etwas, was hier total gefragt ist.“ Trotzdem hätte er gerne etwas mehr in die traditionelle arabische Musikkultur hineingeschnuppert. „Wenn ich noch einmal herkomme, würde ich gerne von meiner Musikkultur etwas mitbringen. Quasi meinen Rucksack zu Hause schnüren und hier auspacken. Damit ich die Möglichkeit bekomme, mich von der Musik hier beeinflussen zu lassen.“

 

„Hey my man, Julian, how are you?“ Ein junger Libanese reicht ihm die Hand. Erst fünf Tage ist er hier, und schon kommt es zu einem spontanen Wiedersehen. Sein neuer Bekannter heißt Siam und spielt Elektrogitarre. Aus der Laune heraus lädt der Freiburger ihn ein: „Komm doch einfach mit deinem Instrument zu meinem Auftritt und wir jammen zusammen.“ Gesagt, getan: Sobald tags drauf die Sonne im Mittelmeer versinkt, erklingt im Beiruter Yachthafen ein vibrierendes Zusammenspiel aus elektronischer Musik und rockiger E-Gitarre. Die Location für die BDW-Abschlussparty ist eine weitläufige Terrasse. Mehr und mehr Menschen strömen auf die Tanzfläche vor dem DJ-Pult. Maier-Hauff bekommt davon kaum etwas mit. Mit gesenktem Kopf schiebt, dreht und drückt er die Regler – spielt dazu ab und an auf seiner Trompete. Und wenn keine Hand mehr frei ist, bedient er das Mischpult einfach mit der Nasenspitze. Der volle Einsatz lohnt sich, die Gäste tanzen ausgelassen bis in die Morgenstunden zu seinen Rhythmen. Die Party leistet letzte Überzeugungsarbeit: Er schreibt auf seiner Facebook-Seite: „Danke Beirut, ich habe mich in dich verliebt und will definitiv wiederkommen!“

 

Text: aus Beirut Juliane Metzker & Foto: © Juliane Metzker / Promo