Es ist bereits der zweite große Gastronomiebetrieb, der beim Freiburger Weinfest hinschmeißt: Nachdem im vergangenen Jahr das Colombi der Veranstaltung den Rücken gekehrt hat, verabschiedet sich nun auch das Dorint. Einer der Gründe: die fehlende Wertschätzung seitens des Veranstalters, der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM). Der Ausstieg könnte jedoch auch frischen Wind aufs Traditionsfest bringen.

 

„Wir haben in den letzten Jahren das Gefühl, dass unsere Arbeit immer weniger wertgeschätzt wird“, erklärt Sabine Sommer, Marketingleiterin des Freiburger Dorint Hotels, den Ausstieg. Dabei spiele auch die angespannte Beziehung zwischen der Stadtverwaltung und den Tourismustreibenden eine Rolle. Stichwort: Bettensteuer. Hinzu komme, dass das Weinfest je nach Wetterlage eine Risikoveranstaltung sei, nach der am Ende nicht immer eine schwarze Zahl stehe, so Sommer.

Freiburger Weinfest

 

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Colombi-Chef Roland Burtsche wegen ähnlicher Gründe verabschiedet. „Wir leben vom Geschäft und nicht vom Drauflegen“, betonte er gegenüber dem chilli. „Die Standgebühren sind nicht überdimensioniert hoch“, kontert FWTM-Sprecherin Franziska Pankow. „In all den Jahren ist noch nie ein Beschicker auf die Idee gekommen, dass wir ihn finanziell unterstützen könnten.“

 

Dass es auch anders geht, zeigt etwa die Stadt Offenburg. Hier zahlen die Weinbauern keine feste Standgebühr, sondern einen vom Umsatz abhängigen Betrag. Reicht dieser mit den Sponsorengeldern und dem Umsatz aus dem Weinglasverkauf nicht aus, finanziert die Stadt den Rest – zwischen 10.000 und 20.000 Euro.

 

Den Ausstieg des Dorint bedauert Alte-Wache-Chefin Alixe Winter – deren Gastronomiepartner das Hotel war –, kann ihn jedoch nachvollziehen. „Durch die Auflagen sind die Kosten immer höher geworden“, so die Weinküferin, „und gerade für die Gastronomie bedeutet das Fest einen erheblichen Aufwand.“

 

Einen Nachfolger hat sie jedoch bereits gefunden: Die Familie Traber mit ihrem Flammlachs, den die Freiburger vom Weihnachtsmarkt kennen. „Der Trend geht dahin, dass die Leute kein großes Menü mehr wollen, sondern sich an verschiedenen Ständen durchessen“, so Winter. Hochwertige Gerichte auf die Hand – ein Konzept, das die Alte Wache im kommenden Jahr eventuell noch ausbaut. „Ich bin der Überzeugung, dass ein frischer Wind der Veranstaltung gut tut“, so die Geschäftsführerin.

 

Eine Mission, auf der sie von den jungen Winzern der Generation Pinot unterstützt wird. „Das Freiburger Weinfest ist im Vergleich zu anderen Weinfesten arg steif“, moniert deren Sprecherin Marita Karle. Das wollen die jungen Winzer ändern und engagieren DJs, die im Historischen Kaufhaus auflegen – von Root-Downer Rainer Trüby über Passage46-Swing-DJ Jens Galler bis hin zu den DJs Handicap und 4 Fingers, bekannt aus dem Harmonie Gewölbekeller. Auch der Gastronom im Bunde soll ein junges Publikum ansprechen: Nach dem FreiBurger geht nun der Caterer Pausenheld mit Wraps an den Start.

 

Text: Tanja Bruckert / Foto: © Johannes Hopermann / FWTM

 

Freiburger Weinfest,
2.-7. Juli, Münsterplatz