Als Student hat man’s nicht immer leicht: Klausuren, Hausarbeiten, Prüfungsphasen. Da geht zwischendurch doch nichts über einen entspannten Kurzausflug ins schöne Land Balkonien, oft sehr hübsch anzusehen. Balkone gibt es in der grünen Stadt Freiburg genug, entspannungswillige Studenten auch. Wir stellen vier besondere Rückzugsorte vor – von der Fußball-Lounge bis zur Chili-Plantage.

 

 

Der Kräutergarten

 

In Tabithas Kräutergarten gibt es Basilikum, Petersilie, Minze und vieles mehr.

 

In Littenweiler, noch hinter dem Fußballstadion, zwischen beschaulich bunten, eng aneinandergedrängten Mehrfamilienhäusern, sieht man Tabitha Volohonsky, 20 Jahre und rote Haare, oft auf der Fensterbank ihres Wintergartens sitzen – oder besser gesagt, ihres Kräutergartens.
Basilikum reiht sich an Petersilie, Zitronenmelisse und Minze, um nur ein paar zu nennen. Ganz abgesehen von den Salaten, Erdbeeren, Tomaten und sogar Melonen, die alle Verwendung in ihrer Küche finden. Wie sie dazu kommt, die halbe Flora auf ihrem Balkon anzubauen?
Es startete eigentlich als Experiment, erzählt Tabitha: „Mein Freund wollte Chilis haben, also bin ich in den Baumarkt gegangen, um welche zu holen, und dachte mir dann, warum nicht eigentlich selber welche anbauen?“ Im Dorf aufgewachsen, hatte es ihr inzwischen sowieso gefehlt, selbst irgendwas anzubauen.
Da muss man Tabithas Freund für den Gedankenanstoß wohl dankbar sein, denn ihr Kräutergarten ist hübsch anzuschauen. Ganz besonders die Halterungskonstruktionen für die unterschiedlichen Töpfe und Schüsseln. Hier wurden alte Garderoben aus dem Kindergarten umfunktioniert, aufgemalte Wichtel, Tiere & Co. sind alle noch erhalten und fügen sich perfekt in das ländlich-romantische (und was soll’s, natürlich auch etwas kitschige) Bild ein. Die Einrichtung aus dem Kindergarten passt gleich nochmal doppelt so gut, als Tabitha ihren Balkon mit zwei Wörtern beschreibt: Mein Baby.

 

 

Der Abhänger

 

Laura und Nora chillen in ihren hängenden Sitzmöbel.

 

Auch in der Studentensiedlung am Seepark gibt es reichlich schöne Balkone. Ein besonders entspannter ist wohl der von Nora Pauschs und Laura Hessels WG. Gleich zu Beginn fallen einem die hängenden Sitzmöbel ins Auge, die zum Hinsetzen und -legen und zum Nie-wieder-Aufstehen einladen. Das alles noch vom Grün der Bäume umgeben – was will man mehr? Laura (auf dem Bild in der Hängematte vorne) hat eine innige Beziehung zur Hängematte: Im Sommer schläft sie fast jede Nacht dort. „Mein Bett ist auf Dauer bequemer”, gibt sie zu, „aber wenn man morgens mit den ersten Sonnenstrahlen und den Vögeln aufwacht und gleich frische Luft hat, dann ist das einfach ein super Start.”
Seinen größten „Auftritt” hatte der Balkon vergangenes Jahr, als auf ihm quasi jeden Abend ein Spiel der EM geschaut wurde. Mit zahlreichen Fans. Auch die Tiere des Waldes haben seine Qualitäten schon erkannt: Ein Eichhörnchen schaut ab und zu vom benachbarten Kirschbaum vorbei.
Bei einem geeigneten Wort für ihren Balkon überlegen sie eine Weile, dann sind sie sich einig: Traumland.

 

 

Der Alleskönner

 

Jakob, Dieter, Vera, Larissa und Elane haben einen Balkon der viel kann.

 

Geht man etwas weiter in den Freiburger Norden, genauer gesagt nach Herdern, trifft man auf die WG rund um Vera Stellbauer, Larissa Mayer, Elane Salimi, Jakob Thieme, Dieter Eberhardt & Co. Ja, sehr viele Leute – mit einem Balkon, der viel kann. Von einem sattgrünen Rankwerk aus Blättern umschlossen, macht er nicht nur optisch einiges her. Er lädt auch zum Entspannen im kühlen Schatten ein – das kann nicht jeder.
Ob Hausarbeiten, Frühstück oder einfach nur Zusammensitzen, der Balkon bildet den absoluten Mittelpunkt der WG, darin sind sich alle einig. Abends wird oft der Grill angeschmissen, und bei Partys lassen sich Tische und Stühle leicht in die Ecke räumen: Dann wird es oft ganz schön voll auf dem Balkon. Manchmal sogar zu voll, erst neulich ist ein Sofa unter der Last der zahlreichen Gäste einfach zusammengebrochen. Aber das Zusammensitzen bis in die späte Nacht gehört für die WG einfach zu ihrem Balkon dazu: „Ein Ort für Diskussionen mit gesellschaftlicher Relevanz”, erklärt Vera und grinst. Ihr Balkon ist ein typischer studentischer Alleskönner: charmant anzusehen, für vieles zu gebrauchen und von noch mehr Menschen besucht und geliebt.
Wie die WG ihn mit einem Wort beschreibt? Heimat.

 

 

Die Dschungeloase

 

Lampen und Kerzen verleihen Florians Balkon Urlaubsatmosphäre und Melancholie.

 

Ein bisschen weiter östlich, aber ebenfalls nahe am Seepark, wehen abends oft Gitarrenklänge durch die Nachbarschaft: Dann sitzt Florian Vollenbröker, 29, derzeit mit seinem Master in Geografie beschäftigt, im Feierabendlook auf seinem Balkon und genießt den Moment inmitten seiner kleinen Oase. Florian ist ein Pflanzenfan, das sieht man sofort: Bei all den Palmen, Blüten und sogar einem kleinen Baum fühlt man sich schnell so, als hätte er ein kleines Stückchen Dschungel zu sich nach Hause geholt. Bestärkt wird der Eindruck abends durch die ganzen Lichter, die in Form von Lampen und Kerzen zwischen den Gewächsen verteilt sind. Die Atmosphäre fühlt sich so ein bisschen nach Urlaub und Melancholie gleichzeitig an: Gutes Licht findet Florian sehr wichtig.
Ein Highlight des Balkons ist das große organgefarbene Ledersofa, auf dem es sich extrem bequem sitzt. Das haben Florian und sein Mitbewohner geschenkt bekommen, über eine Facebook-Anzeige. Dafür steckt aber viel Schweiß drin: „Keine Bahn wollte uns damals mit dem Ding mitnehmen. Also haben wir uns beim Supermarkt einen Einkaufswagen ausgeliehen und das Sofa so eine Stunde lang nach Hause gefahren.” Etwas umständlich, aber gelohnt hat sich die Aktion auf jeden Fall: Wenn man erst mal sitzt und von den Lichtern und Pflanzen umgeben ist, möchte man gar nicht mehr aufstehen.
Wie kann Florian seine Dschungeloase mit einem Wort beschreiben: Feierabendasyl.

 

Text und Fotos: Miriam Schiweck