Der 4. Mai 2015 ist ein historisches Datum für Freiburgs Skater: Nach mehr als zehn Jahren planen, streiten und verwerfen hat die Stadt nun einen Skatepark. Oder zumindest den ersten Teil davon. Der Jubel ist groß, aber es ist auch von einem „Schlag ins Gesicht“ die Rede.

 

Mit Khakihose, Bart und Rundum- Schirmmütze steht Matthias Kappler am Rand des neuen Skateparks. An diesem 4. Mai ist Eröffnung: Skater, Rollerfahrer und BMXer tummeln sich auf der grauen Betonanlage. Baubürgermeister Martin Haag hält eine Rede. Kappler strahlt über beide Ohren: „Das ist ein großer Schritt für uns Skater. Wir haben lange drauf gewartet!“ Der Riesenandrang belegt das: Die Fahrer rutschen und rasen über Treppen und Geländer, springen waghalsig in die Luft, feuern sich an, kommen sich aber auch immer wieder in die Quere.

Endlich: Freiburgs Skater haben am Dietenbach ihre eigene Anlage. Vertreter der Szene wie Matthias Kappler (Mitte) haben den Skatepark mitgeplant.

 

Geht es nach den Skatern, muss sich das bald ändern. Schließlich ist die rund 3000 Quadratmeter große Anlage in vier Bauabschnitte unterteilt – nur der erste ist fertig. 175.000 Euro hat er gekostet. Die Eugen-Martin-Stiftung trug 90.000 Euro davon, die Stadt zahlte 85.000 Euro aus einem Erbe. Die Stadtkasse wurde damit gar nicht belastet, sagen die Skater. Umso bitterer, dass die nächsten Bauabschnitte in weite Ferne gerückt sind. Denn der Antrag von JPG (Junges Freiburg, Die Partei, Grüne Alternative), im Doppelhaushalt 2015/16 insgesamt 400.000 Euro für die übrigen Bauabschnitte bereitzustellen, lief im April ins Leere. Für den 19-jährigen Stadtrat Sergio Schmidt (Junges Freiburg) „eine Schande und ein Schlag ins Gesicht für all diejenigen, die sich seit über zehn Jahren für das Projekt engagiert haben“. Dass bald weitergebaut wird, daran glaubt derzeit kaum einer.

Endlich: Freiburgs Skater haben am Dietenbach ihre eigene Anlage. Vertreter der Szene wie Matthias Kappler (Mitte) haben den Skatepark mitgeplant.

 

Schon vor rund zehn Jahren war das Dietenbachgelände als Standort im Gespräch. Die Pläne scheiterten jedoch. 2009 formierte sich die Initiative Skatement. Ziel war, zwischen Skatern und Stadt zu vermitteln. Das gelang, der Seepark wurde auf Wunsch der Szene als Standort gewählt. Der Bau scheiterte jedoch am Widerstand des Bürgervereins Mooswald. Daraufhin rückte eine Anlage am Karlsplatz in greifbare Nähe. Durch die zentrale Lage für viele Skater ein Volltreffer. Doch auch diese Pläne scheiterten. Schließlich fiel die Wahl auf das Dietenbachgelände. Die Skater sind dort willkommen, unterstreicht Michal Grman vom Bürgerforum Weingarten.

 

Nach all den Jahren hatten Stadt und Szene gelernt: Es geht nur Hand in Hand. Woche für Woche trafen sich Bauamt, Architekt und ausgewählte Skater am Dietenbach, um gemeinsam zu entscheiden. „Das hat super funktioniert“, lobt Wolfgang Vasen vom Garten- und Tiefbauamt. Das bestätigen auch Kappler und Merlin Brauns (23), der als Skater ebenfalls regelmäßig vor Ort war. Er sagt aber auch: „Die Freude ist getrübt, wir brauchen alle vier Bauabschnitte.“ Vasen stimmt ihm indirekt zu: „Wenn der Skatepark ganz fertig ist, kann das eine Anlage mit überregionaler Bedeutung werden.“

Endlich: Freiburgs Skater haben am Dietenbach ihre eigene Anlage. Vertreter der Szene wie Matthias Kappler (Mitte) haben den Skatepark mitgeplant.

 

Kappler berichtet sogar von Freunden aus Berlin, die extra kommen wollen, um den Park zu testen. Zu Stoßzeiten wird er sie aber nicht in den Dietenbach bringen. „Der Park ist zu klein. Am Wochenende kann man es bei dem Andrang vergessen“, sagt er am Tag der Eröffnung. Dafür plant der junge Vater eine „Altherrenrunde, wenn die Kleinen im Bett sind“. Er lacht. Der erste Bauabschnitt ist ein Etappensieg. Das wird gefeiert.

 

Text & Foto:Till Neumann