36 Grad und es wird noch heißer! Nein, falscher Song. 36 Grad und dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer. Jedenfalls für Xavier Naidoo und Support Daniel Wirtz. Der Schmusesänger hat am Freitag das Open-Air-Wochenende auf dem Messegelände eingeläutet, die zweite Runde hat am Samstag Sunrise Avenue bestritten. Warum die Konzerte nicht restlos überzeugen konnten.

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Die Schweißperlen tropfen schon bei Stillstand von der Stirn. Kein Wunder, dass die Leute das Erkämpfen um den Platz in der ersten Reihe gegen Füße abkühlen im Bächlein ersetzen. Der Messeplatz ist dementsprechend frei. Frei von Schatten, frei von Besuchern. Wie passend: Frei sein – so lautet auch der Name der Open Air Tour von Xavier Naidoo 2015.

 

Daniel Wirtz meint, er hat die Hitze aus „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ in Afrika in seiner Koffer gesteckt und heute ausgepackt. Na ja, super Idee. Von Xavier wird er in der Show als Underdog beschrieben, der aber doch was drauf zu haben scheint! Mit Baggy  Pant, Cap und Bling-Bling-Ring in der Nase tritt er von Xavier Naidoo angekündigt auf die Bühne. Der Rocker strahlt über den ganzen Bart: „Schon ein bisschen sexy hier zu sein!“.

 

6Durch seine Songs aus dem Tauschkonzert ist er bekannter geworden, und so lockt Wirtz einige der Waffelesser und Biertrinker nach vorne. „LMAA“ überzeugt mit BHFSVRTL-Shirt und nicht mit Kleidchen. Seine Version imponiert mehr als die gecoverte von Yvonne Catterfeld aus der Vox-Sendung. Schließlich verbirgt sich dahinter eine Message – womit nicht das „Bahnhofsviertel“ vom T-Shirt gemeint ist. Daniel Wirtz wehrt sich mit seinen Songs gegen die Presse, die schlechte Kritik an ihm geäußert hat. Leider nur eine halbe Stunde.

 

Der Messeplatz hat sich gefüllt. „Mich wundert es, dass doch so viele gekommen sind, nach dem was über mich alles in den Medien berichtet wird“, sagt Naidoo, der wegen angeblichen Rassismus schon häufig in der Zeitung stand. Selbst das Konzertplakat vor dem Asyl-Wohnheim direkt neben dem Messeplatz ist mit roter Farbe, Hakenkreuz und Beleidigungen von irgendwelchen Extremisten verunstaltet worden. Umso schöner, dass der Sänger passend zum Open-Air Thema mit „Freisein“ einstimmt. Symbolisch trägt er dazu Handschellen. Von hinten steigt Daniel Wirtz wieder ein und befreit ihn. „Freiburg ist frei“, sagt Naidoo. Nette Idee, die aber den wenigsten auffällt und leider etwas untergeht.

 

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Auf der Bühne ist ein riesiger, viergeteilter Bildschirm, der abwechselnd Naidoo, Band und Publikum zeigt. Alles ganz nett, doch ein paar Besucher ertappen sich dabei nach hinten zu schauen und den Sonnenuntergang zu beobachten. Im Repertoire sind bekannte Songs aus den letzten Jahren. Aus „Sing meinen Song“ spielt er „Mitten unter mir“ von Christina Stürmer und “Amoi seg’ ma uns wieder” von Andreas Gabalier, wobei sogar ein bis zwei Tränen fallen.

 

Es steht nicht zur Debatte, dass Naidoo eine fantastische Stimme hat, doch fehlt es an Unterhaltung, die gerade bei Open Air Konzerten üblich ist. Der Höhepunkt: Nico Suave kommt als Überraschungsgast auf die Bühne und performt mit ihm „Danke“. Zwei, drei Lieder hält die Stimmung an, dann kippt sie wieder.

 

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Xavier Naidoo setzt den Fokus auf die Musik. Doch gerade bei seinen Liedern ist es Pflicht, sein Feuerzeug zu schnappen, in die Luft zu halten und mitzusingen. Für den Flirtmoment sorgt lediglich der Gitarrist, der ein paar Mädchen zuzwinkert.

 

Vielleicht hatte man sich von Xavier Naidoo und dem Konzert zu viel versprochen. Bei stolzen 50 Euro erwarten die Frauen zumindest, dass bei über 30 Grad wenigstens mal die Jacke ausgezogen wird. Überzeugt hat dafür Daniel Wirtz. Schon ein bisschen sexy.

 

Wer sich bei dem Schmusesänger auch mal das eine oder andere Lied zum Abrocken gewünscht hat, der kommt am darauffolgenden Tag bei Sunrise Avenue auf seine Kosten. Das Publikum hat sich deutlich verjüngt, die ersten Teeniemädels stehen bereits zwei Stunden vor dem Einlass in der prallen Sonne hinter verschlossenen Gittern. Wer sich diese Tortur ersparen möchte, wartet im deutlich kühleren Foyer der Rothausarena. Eine kluge Wahl: Die Ordner öffnen diesen Bereich zuerst, sodass das Rennen um einen Platz in der ersten Reihe beginnen kann.

 

Sunrise-AvenueWer keinen Wert auf einen Spitzenplatz legt, kann sich an den Ständen mit Burgern, Getränken, Eis oder Merchandiseartikeln eindecken. Los geht’s mit Carpark North, die schon mal ordentlich Stimmung machen. Als dann Sunrise Avenue die Bühne betritt, ist der Jubel groß. Teenieschwarm Samu Haber bringt – in Kombination mit der Hitze – das eine oder andere Mädel an den Rand einer Ohnmacht. Die Band rockt, auf seinen Lieblingshit – sei es Hollywood Hills, I can break your heart oder Fairytale gone bad – muss keiner verzichten. Dennoch: die Band enttäuscht. Ansprachen ans Publikum gibt es kaum, statt auf Interaktion wird rein auf die Musik gesetzt.

 

Den Fans scheint das zu reichen, am Ende des Abends blickt man überwiegend in erschöpfte aber glückliche Gesichter. Der Platz leert sich schnell, viele warten nicht einmal mehr die Zugaben ab. Um ein Uhr ist dann auch der letzte Verkaufsstand abgebaut, die Foodtrucks und Lieferwagen rollen reihenweise vom Platz. Ein heißes, mal sanftes mal rockiges Open-Air-Wochenende ist zu Ende.

 

Text: Laura Wolfert, tbr / Bilder: Laura Wolfert, Olaf Heine