Warum sammelt ein Mädchen Beerdigungen? Und wieso kann ein Mann niemals schlafen? Geht das? Der ungewöhnlich lange Titel scheint zu verraten, wovon das Buch handelt. Doch nimmt die Geschichte nach einigen Seiten eine unerwartete Wendung.

 

Ferdinand Schmelzer ist Mitte 40 und leidet an Schlafstörungen. Seit er merkte, dass Geschichten von Mitreisenden ihn in eine Art Entspannungsphase versetzen, fährt er täglich mit dem Zug, ohne festes Ziel. Dabei trifft er mehrmals auf die 16-jährige Melissa, die immer zu einer Beerdigung will – jedes Mal zur Beerdigung einer Frau namens Eva.

 

Melissa und Ferdinand wohnen in Freiburg; bei ihren Gesprächen stellt sich schließlich heraus, dass Melissas Mutter auch Eva heißt und an einer Tumorerkrankung leidet, die ihr nicht mehr viel Zeit zu leben lässt. Ferdinand sucht mit Melissa „etwas Lebendiges zwischen all dem Tod und Kummer und Schmerz“, dem sie andauernd ausgesetzt ist. So entwickelt sich eine kuriose Freundschaft zwischen ihnen und auch Eva, die durch die Freundschaft die Angst vor dem Tod überwindet.

 

Eine seltsame Begegnung völlig unter­schiedlicher Menschen, die den Leser sofort in ihren Bann ziehen. Das Buch ist nachdenklich, überraschend, witzig und traurig – wie das Leben selbst.

 

Text: Isabel Barquero

 

 

 

 

 

 

 

Ein Mädchen, das Beerdigungen sammelt und ein Mann, der niemals schläft
von Annika Fechner
Verlag: hansanord, 2016
196 Seiten, gebunden
Preis: 9,99 Euro