So erlebte eine Zeitzeugin den Krieg

Olga Benz war noch ein Kind, als Freiburg im Ersten Weltkrieg bombardiert wurde. Im chilli erzählt die 100-Jährige, was sie von der schwierigen Zeit in Erinnerung behalten hat:

Beschädigtes Haus in der Rosa-straße nach einem Bombenangriff (M 7061)

 

„Ich bin in Zähringen aufgewachsen, also ein richtiges Bobbele. Wir waren zu viert, meine Schwestern und ich. Heute bin nur noch ich übrig. An den Ersten Weltkrieg kann ich mich nur noch dunkel erinnern – ich war damals noch ein kleines Kind. Mein Vater hat als Soldat in Russland gekämpft, kam aber nach Kriegsende wieder zurück. Abends, wenn die Bombardierungen losgingen, wurden wir immer in den Keller getragen. Am meisten Angst hatte man damals vor Splittern. Wir haben immer Milchkannen und Kochtöpfe mit in den Keller genommen, um sie uns auf den Kopf zu setzen. Wir haben viel gelacht, für uns Kinder war das lustig. Verstanden haben wir nicht, worum es wirklich ging. Uns hat es zum Glück auch nicht getroffen, die Schäden gingen nur bis zur Schillerstraße.

Wie schlimm es damals mit dem Hunger war, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß aber noch, dass es nach dem Krieg noch immer sehr schwer war. 1922 haben wir 58 Mark pro Person bekommen, um uns eine Existenz aufzubauen. Meine Eltern besaßen einen Obsthandel, mit dem wir uns einigermaßen über Wasser halten konnten. Gereicht hat das Geld trotzdem nicht. Gleich nach der Schule habe ich deshalb als Verkäuferin bei Oberbauer (ein Modegeschäft; Anm. d. Red.) in der Grünwälderstraße angefangen. Meine ältere Schwester hat mir die Stelle besorgt.

Damals war Frankreich der Feind. Und heute? Ach, damit haben wir doch heute nichts mehr zu tun. Ich empfinde keinen Hass mehr. Im Wohnheim haben wir sogar einen Französischkurs.“

Text: Steve Przybilla / Vorlage: © Stadtarchiv Freiburg