Von wegen weinselig: Vielen gilt er als der „Retter des Freiburger Weinfests“, jetzt kehrt Colombi-Hotel-Chef Roland Burtsche der Veranstaltung nach 40 Jahren den Rücken. Der 74-Jährige hat seine Kooperation mit den Kaiserstühler Winzern gekündigt. Und er ist nicht der einzige, der nicht mehr dabei ist: Auch der Badische Winzerkeller zieht sich zurück. Beim Veranstalter FWTM (Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH) nimmt man das zwar mit Bedauern, unterm Strich aber auch mit geschäftsmännischer Gelassenheit zur Kenntnis, wie Geschäftsführer Bernd Dallmann bekundet.

 

Weinfest-_FWTM-Hopermann

Was ihn genau zu diesem Schritt bewegt hat, dazu will Burtsche sich nicht äußern: „Wenn man nach 40 Jahren kündigt, hat das Gründe – große Gründe –, aber nach so einer Zeit geht man mit einem langjährigen Partner ehrenhaft um, daher möchte ich nicht mehr dazu sagen.“ Für Sentimentalität sei bei dem Abschied kein Platz, wie er weiter betont: „Wir leben vom Geschäft und nicht vom Drauflegen. Ein weinendes Auge gibt es jedenfalls nicht.“

 

Dallmann zeigt für den Gastronom volles Verständnis: „Ich kann das aus seiner Sicht nachvollziehen. Die hohe Qualität und der hohe Einsatz, die Herr Burtsche jedes Jahr geboten hat, lassen sich auf einer solchen Veranstaltung kaum materialisieren. Beim Weinfest geht es aber auch mehr ums Image und um Marketing als ums Gelddrucken.“ Dallmann hatte den Rückzug des Colombi-Chefs schon antizipiert, als er dessen Wunsch, seinen Stand zu vergrößern, aus Platzmangel nicht nachkommen konnte. Er bedauert den Abschied, richtet den Blick aber zugleich nach vorne:  „Burtsche ist natürlich ein Imageträger, er hat sich um das Fest mehr als verdient gemacht und war immer ein Motor der Veranstaltung. Aber so ein Fest lebt auch vom Wandel und von der Verjüngung.“

 

Für den Mann, der mit seinen Ideen, die Nordseite des Münsterplatzes zu bewirtschaften und das Weinfest von drei auf sechs Tage zu verlängern, der damit der Veranstaltung einst neues Leben einhauchte, ist bereits ein Nachfolger gefunden: Die Freiburger Gastronomen Hansjörg Dattler und sein Sohn Jörg werden das Catering im Kaiserstühler Zelt übernehmen.

 

Offenbar aus anderen Gründen hat der Badische Winzerkeller seine Beteiligung abgesagt. Anscheinend konnten die Breisacher nicht genügend Wein ernten, um das Fest in diesem Jahr zu bewirtschaften. Dem chilli gegenüber wollten sich die Verantwortlichen nicht äußern. Für sie werde aber eine Vereinigung von „Jungwinzern der Generation Pinot“ die Bewirtung im Innenhof des Historischen Kaufhauses übernehmen.

 

Felix Holm