Pardon, die Scheibe ist einfach großartig. Anfang Februar waren die Tiger Lillies noch live im Freiburger E-Werk zu hören und spielten da zumeist aus ihrem jüngsten Werk. Es kamen viele von denen, die schon Ende der 90er Jahre, als es den guten alten Rattenspiegel von Rolf Hambrecht noch gab, in der engen Kneipe quasi übereinandergestapelt der Dark Poetry der Tiger Lillies lauschten. Nun also haben sich der mephistolische Sänger Martyn Jacques und sein Kollektiv am Lulu-Stoff von Frank Wedekind probiert, ach was, sie haben ihn einfach auf ihre unnachahmliche Weise derb, melancholisch, dunkel, hypnotisch, hin und wieder makaber und mit einer Prise Nihilismus zelebriert. 

 

Martyn Jacques, Adrian Stout und Mike Pickering schaffen mit dem Auftaktstück „Daughter“ gleich eine Spelunken-Atmosphäre, manche Texte mögen an den französischen Dichter Francois Villon erinnern, Tabus sind Fehlanzeige. Daughter soll die Beine für Bourgeois Cocks breit machen, make some money, if she can. Bei „You’re bird in a cage“ schwebt die markante Stimme von Jacques über einen melodramatischen Klangteppich, bei „Clown“ lässt Bassist Stout eine Säge singen, bei Pimp’s the Name wird man zwischen Jim Morrison und  Asaf Avidan hin und hergeworfen. Kurz: ein bisschen Wahnsinn, ein bisschen mehr Genie und ganz viel Unvergleichliches.

 

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The Tiger Lillies

Lulu – A Murder Ballad

Opera North

 

 

Text: Lars Bargmann