Freiburg wird die vierte Stadt Deutschlands, in der Menschen Wohnraum in einer ehemaligen Kirche beziehen können. Ab Herbst 2013 wird der ehemaligen Pfarrkirche St. Elisabeth in Zähringen neues Leben eingehaucht: Die Baufirma Gisinger will ins alte Gebäude eine moderne Anlage mit 38 Wohnungen einsetzen. Dabei sollen auch kirchliche Elemente wie Mosaikfenster oder Teile einer Kerzenkapelle erhalten bleiben und Bewohner wie Passanten an den Ursprung des Gebäudes erinnern. In dieses spektakuläre Projekt investiert das Unternehmen über zehn Millionen Euro. Die auf 2600 Quadratmetern Wohnfläche angeordneten Ein- bis Fünfzimmer-Eigentumswohnungen sollen bis Dezember 2014 bezugsfertig sein.

Spektakuläres Projekt: Auch Vorschläge für die Wohnraumgestaltung sind schon da.


Ganz neu ist die Idee nicht: In Mönchengladbach, in Kaiserslautern und in Aachen sind bereits ehemalige Kirchenhäuser zu Wohnzwecken umgebaut worden. Zudem ist in Weil am Rhein die Stadtbibliothek in einem Kirchengebäude untergebracht. Jetzt sollen in Baden-Württemberg aber auch erstmals Menschen die Gelegenheit bekommen, in einem früheren Gotteshaus zu wohnen. Dass es sich dabei nicht um ein reines Nutz-Projekt handelt, stellt Gisinger-Geschäftsführer Karl-Jörg Gisinger klar: „Das sakrale Flair soll erhalten bleiben, man soll erkennen, dass das hier eine Kirche war.“

So werden beim Neubau nicht nur wesentliche Teile der alten Fassade integriert: Ein großes Mosaikfenster soll später den gemeinsamen Hausflur in ein spezielles Licht rücken, ein anderes an der Nordseite – das ehemalige Tabernakelfenster – wird als Gesamtkunstwerk von einigen Wohnungen aus durch eine spezielle Glaswand hindurch zu betrachten sein. An anderen Stellen im Haus werden Teile des reliefartigen Kreuzweges durchs Fenster zu sehen sein. Eine weitere Wohnung wird Elemente einer runden Kerzenkapelle enthalten, die etwa als Raumtrenner in einem großen Wohnzimmer fungieren könnten. Und auch die gusseiserne Eingangstür wird nicht ab-, sondern lediglich festgeschraubt. Sie hat in Zukunft aber nur noch ästhetischen Nutzen.

Das 38 Wohneinheiten umfassende neue Gebäude wird aus Gründen des Denkmalschutzes und der Wärmedämmung in die bestehende Fassade hineingebaut. Im zehn Meter hohen Kirchenschiff entsteht so Platz für drei Stockwerke, zwei weitere werden oben auf das bisherige Dach aufgesetzt, so dass das Bauwerk am Ende 15 Meter hoch wird. Unter dem bisherigen Vorplatz des 2006 profanisierten Sakralbaus entsteht eine Tiefgarage, an den Seiten und an der Rückseite kleinere Garten- und größere Gemeinschaftsflächen. Alle Wohnungen verfügen über bewohnbare Wintergärten.


Interessant für Käufer ist das Projekt auch deswegen, weil unter bestimmten Umständen steuerliche Vorteile winken: Die ehemalige Pfarrkirche ist ein eingetragenes Kulturdenkmal, was es unter bestimmten Voraussetzungen ermöglicht, Teile des Kaufpreises einkommensteuermindernd geltend zu machen. Innerhalb von zwölf Jahren können so bis zu 100 Prozent der Sanierungskosten abgesetzt werden. Der Quadratmeter Wohnraum kostet zwischen 4100 und 4750 Euro, die kleinste Einheit umfasst 43, die größte 160 Quadratmeter.

Dass Gisinger es versteht, ehemalige Nutzräume zu einem Zuhause umzuformen, hat das Unternehmen bereits mit dem Umbau der Riegeler Brauerei bewiesen. Der Umbau einer Kirche dürfte dennoch ungleich herausfordernder sein, was „Church chill“ umso spannender macht.

Text: Felix Holm / Bilder: Gisinger