US-Basketballprofi Mariesa Greene will mit den Eisvögeln hoch hinaus

Der Freiburger Frauenbasketball befindet sich in einer spannenden Phase: Nach einer sportlich erfolgreichen Zeit, 2011 standen die Eisvögel im Finale um die Deutsche Meisterschaft und 2012 folgte ein dritter Platz in der Hauptrunde, trennten sich die USC-Frauen im Sommer nicht nur von Hauptsponsor Rothaus (wir berichteten), sondern krempelten auch im Personalbereich einiges um: Der langjährige Trainer Harald Janson wechselte auf den Posten des Sportlichen Leiters, neuer Mann an der Seitenlinie ist seither Stefan Mienack. Zudem verließen im Sommer mit Spielmacherin Yvonne Turner und Go-to-Girl Mirna Paunovic zwei wichtige Stützen das Team. Dafür kamen zwei neue US-Profis an die Schwarzwaldstraße: Christa Brooque Williams und Mariesa Greene. Insbesondere Greene schürt mit ihren bislang gezeigten Leistungen die Hoffnung, dass die Eisvögel zu weiteren Höhenflügen ansetzen können.


Mariesa Greene sitzt lässig im Jogging-anzug in der Filiale einer amerikanischen Kaffeehauskette. So stellt man sich einen US-Sport-Star vor. Und tatsächlich gilt die 1,83 Meter große Amerikanerin bereits als eine der talentiertesten Spielerinnen der Damen-Basketball-Bundesliga. Abgehoben ist sie aber nicht, von Überheblichkeit keine Spur, stattdessen redet sievon „Lernen“, „Besser werden“, „Teamwork“. In der laufenden Runde nimmt die Neue der Eisvögel, die 2010 vom College nach Europa kam und zunächst in der Schweiz und in Belgien aktiv war, in fast allen wichtigen Statistiken einen Top-Rang im Ligavergleich ein: Rebounds (8. Platz), Trefferquote (19.), Blocks (20.), Punkte (23.) – die Forward-/Centerspielerin liefert ein umfangreiches Zahlenpaket. Auch deswegen befinden sich die Eisvögel trotz des Umbruchs im Sommer nach wie vor in einer guten Position im Kampf um die Playoffs.

Seit über einem Vierteljahr ist Greene jetzt in Freiburg. Viel von der grünen Stadt hat sie allerdings noch nicht gesehen – sie lebt in ihrer eigenen „Greene-City“. Fragt man sie nach ihrem Lieblingsplatz, hat sie Schwierigkeiten, sich zwischen ihrer Wohnung, die sie sich mit ihrer Teamkollegin Jahzinga Tracey teilt, und der Trainingshalle zu entscheiden: „Zuhause ruhe ich mich aus, lese in meiner Bibel, spreche mit Gott und erhole mich – in der Halle erwartet mich meine Leidenschaft. Ich könnte wohl meine gesamte Zeit nur in unserem Appartement und auf dem Platz verbringen und wäre trotzdem glücklich.“

Ehrgeiz, Wille, Fokus und ein starker Glaube – das sind die Eigenschaften, die die in Indiana geborene Tochter eines Pastorenehepaars auszeichnen. Für ihre herausragenden Zahlen scheint sie sich nicht zu interessieren. Oder jedenfalls fast nicht: Denn auf ihre unterdurchschnittliche Freiwurfquote von 56 Prozent angesprochen, reißt sie unangenehm berührt die Augen auf. „So schlecht war ich noch nie, ich werde heute Abend gleich noch ein paar hundert werfen, damit das besser wird.“


Das US-Girl hat das Zeug dazu, es weit zu bringen – dieses Gefühl beschleicht einen, wenn man sie auf dem Platz oder außerhalb erlebt. Eines Tages will
Greene in die WNBA – die stärkste Liga der Welt. Im Sommer hat sie bereits ein Trainingscamp bei den L. A. Sparks mitgemacht und wurde dort für ihre Reboundarbeit und ihre Bereitschaft gelobt, alles zu geben. Sie ist das, was die Amis einen „hustle-player“ nennen. In Deutschland würde man sagen: „Eine, die sich den Allerwertesten aufreißt.“

Solche Charaktere sind beim Publikum beliebt. Eine gute Ausgangsposition in der Stadt mit dem ligaweit höchsten Zuschauerschnitt – knapp 700 kommen zu den USC-Heimspielen. In den vergangenen zwei Jahren waren es allerdings noch 200 mehr, die Erwartungshaltung ist groß. „Wir haben auch höhere Erwartungen an uns“, hat Greene Verständnis für die Zuschauer, „wenn man unser Team ansieht, weiß man, dass alle Bausteine vorhanden sind, um in den Playoffs weit zu kommen. Wir wollen wieder dahin, wo wir vor zwei Jahren waren.“ Zurück ins Finale.

Text & Fotos: Felix Holm