Winterliches am Waldsee: Johannes Oerding und Tiemo Hauer

Still ruht der See. Ein trister Januarnachmittag am Waldsee, karge Bäume, dunkles Wasser, ein paar lautlose Vögel – eine nachdenkliche Stimmung. Dazu passen exakt zwei Musiker, die demnächst im Saal nebenan für ein vermutlich volles Haus sorgen werden: Johannes Oerding und Tiemo Hauer. Beide lieben die elegische Pose, große Gefühle, Sehnsucht, Liebe, Schmerz und Schwärmerei.


Oerdings Karriere begann 1999 mit einem Auftritt mit einer Schülerband auf einem Stadtfest am Niederrhein. Es tummeln sich ein paar Produzenten unterm Volk, eigentlich wegen anderer Gigs angereist, aber es ist Oerding, bei dem danach das Telefon klingelt. Mit 17 steht er dann in einem Hamburger Tonstudio, es winkt der erste Vertrag. Ein Traum für die „Kehle aus Gold“, wie Altmeister Udo Lindenberg einst sagte. 2007 das erste Album, mit „Erste Wahl“, „Engel“, oder „Boxer“ singt er sich in die Charts, spielt seither locker 100 Konzerte im Jahr. „Für immer ab jetzt“ ist sein drittes Album, mit dem er auf jetzt auf Tour ist. „Wo wir sind ist oben“ ist was zum Mitsingen und -springen, „Nichts geht mehr“ eher was zum Lauschen. Viele Songs fangen geerdet und ruhig an und schrauben sich dann in die Höhe. Viel Melodie, viel Pathos, viel Sehnsucht, lyrisches Textgut und tatsächlich einiges in der Kehle. Oerding lehnt sich nirgendwo an, die autobiographischen Bezüge seiner Texte sieht er selbst bei 90 Prozent. Er hat seinen eigenen Stil gefunden: „Wo ich jetzt bin, ist mein persönliches Hollywood.“ Nicht in Hollywood, sondern in seiner Wahlheimat Hamburg war er neulich bei Inas Nacht im TV. Und wer sich wunderte, warum Ina Müller bei „Nichts geht mehr“ den Refrain „Alles verspielt, alles verloren“ so wunderbar mitträllern konnte: Die beiden sind ein Paar.


Noch mehr der Singer-Songwriter-Typ ist Tiemo Hauer, der auf dem Piano seine komplette Gefühlsklaviatur zelebriert und auf seiner „Für den Moment-Tour“ auch Halt am Waldsee macht. Der erst 21-Jährige hat vor drei Jahren seine erste Single „Ehrlich Glücklich“ auf einem eigenen Label veröffentlicht, wonach der SWR gleich mal ein 45-Minuten-Porträt über den „Jungen am Klavier“ sendete. Sein Debütalbum „Losgelassen“ kommt völlig frisch daher, unbekümmert, ein junger Poet mit einer fein ausgebildeten Stimme. Das Trendmagazin Jeannie-X sieht für den Stuttgarter schon die Chance, mit ehrlicher deutscher Popmusik das „musikalische Vorbild einer ganzen Generation“ werden zu können. Warum das? Hauer sucht nicht nach möglichst kunstvollen Metaphern, sondern ist einer für klare Texte, die schlicht ausdrücken, was ihn bewegt. Er erzählt etwa von der Zerrissenheit des jungen Daseins, wenn sich Freiheit und Ungewissheit streiten, textet und produziert in Eigenregie, mischt mit seiner Band Streicher und Gitarre, zuweilen auch mal elektronische Klänge bei. Die erste Halbzeit seiner Tour war oft ausverkauft und bei seinem Auftritt im Waldsee im März wird wohl nur der See still ruhen.

24. Februar 2013, 20 Uhr: Johannes Oerding
15. März 2013, 20 Uhr: Tiemo Hauer & Band



Text: Lars Bargmann /
Fotos: KOKO & DTK ENTERTAINMENT GmbH, Marcel Schechter