Der Landgasthof „Zum Rössle“ erhält den Bib Gourmand

Ein Stern des Guide Michelin steht zwar für eine hervorragende Küche, aber oftmals auch für den tiefen Griff in den Geldbeutel. Das haben wohl auch die Tester der Gourmetbibel beim Blick auf ihre Spesenabrechnung bemerkt und sich etwas für den Durchschnittsverdiener einfallen lassen: Der Bib Gourmand zeichnet Restaurants aus, bei denen sowohl die Gerichte als auch der Preis munden – die Auszeichnung gibt’s daher nur für Restaurants, die ein Drei-Gänge-Menü unter 35 Euro anbieten. Seit einigen Jahren können sich in Freiburg der Hirschen und der Kühle Krug über die Auszeichnung freuen, 2013 wird jetzt auch der Landgasthof Zum Rössle in Kirchzarten auf die Liste der Gut-aber-günstig-Restaurants genommen.


Zu Recht? Wir wollen es wissen! Ab in den Kappler Tunnel und eine Viertelstunde nach Abfahrt in der Freiburger Innenstadt umgibt uns die pure Dorfidylle, die auch im Restaurant noch zu spüren ist: In der Bruggastube untermalt das Rauschen des gleichnamigen Bachs die Gespräche, in der rustikalen Bauernstube knistert der Kachelofen. Die blanken Holztische sind weihnachtlich geschmückt, auf den urigen Holzbänken stützen karierte Kissen den Rücken, und die Fensterbänke säumt geblümtes Porzellangeschirr – man muss den Blick nicht aus dem Fenster schweifen lassen, um zu merken, dass man in einem Landgasthof ist.

Wer das Menü probieren möchte (die 3-Gänge-Variante mit 32 Euro gerade noch Bib-würdig), muss Überraschungen mögen, denn was es gibt, wird vorher nicht verraten. Dasselbe gilt übrigens auch, wenn man sich einen Wein empfehlen lässt – die Kellnerin schenkt erst ein und sagt dann, was sie serviert hat.


Um es zusammenzufassen: Das Überraschungsmenü überrascht wirklich. Auch wenn die einzelnen Bestandteile jedes Gangs gut schmecken, die Zusammenstellung wirkt, als hätte sich der Koch während der Zubereitung selbst davon überraschen lassen, was er denn da kreiert.

Unsere Vorspeise ist eine Ochsenschwanz-Tarte aus Mürbeteig, kombiniert mit einem Selleriepüree und Tintenfisch in Tomatensauce – alles für sich genommen fein, doch uns ist diese Surf-and-Turf-Variante und die Mürbeteig-Püree-Kombi zu kreativ. Während auf der Karte bei den Hauptgerichten das Wild dominiert, bekommen wir ein Filet von der Schwarzwälder Färse mit Walnusskruste (auf den Punkt gebraten, auch wenn wir nicht gefragt wurden, wie wir es gern hätten), dazu Kartoffelstampf mit Waldpilzen und Schwarzwurzelgemüse mit – leider bitteren – Cranberries. Wie schon bei der Vorspeise passen auch die Bestandteile des Desserts leider nicht richtig zusammen. Die kräftige Maracuja-Creme erschlägt das vom Geschmack her sehr zarte Pistazieneis und will auch zum Birnenstrudel mit dem dezenten Ingwergeschmack nicht so recht passen. Schade, den chilli Gourmand gibt’s daher leider nicht.


Text & Fotos: Tanja Bruckert

Info:
Dietenbach 1, 79199 Kirchzarten, Tel. 07661/22 40
www.zumroessle.de