Zufrieden ist die Freiburger Schwarzwaldmilch GmbH mit dem Geschäftsjahr 2016: Man habe, so Geschäftsführer Andreas Schneider, in einem „sehr herausfordernden Milchmarktjahr“ mit einem „hypervolatilen Marktgeschehen“ das Geschäftsmodell des Hauses optimiert und bei Ausbau des Absatzes nur sehr leichte Umsatzrückgänge hinnehmen müssen.

 

Das genossenschaftliche Unternehmen, das seine Milch von 1046 Höfen bezieht, erwirtschaftete bei einem Absatz von 164.239 Tonnen Milchprodukten (+ 2,9 Prozent) mit 370 Mitarbeitern einen Umsatz von 163,1 Millionen Euro (- 0,7 Prozent) und einen Gewinn von fast zwei Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum sackte indes der Umsatz bei den bundesweit 216 genossenschaftlichen Molkereien um fünf Prozent auf 11,8 Milliarden ab.

 

Grund: Ein steigendes Milchangebot traf auf eine stagnierende bis sinkende Nachfrage. China übte sich in Kaufzurückhaltung, die erdölexportierenden Länder ebenso, Russland war aufgrund der Boykottmaßnahmen aus dem Markt ausgeschieden, ebenso die Krisenstaaten des Nahen Ostens. Als Folge machten sich vor allem im ersten Halbjahr satte Preiseinbrüche bemerkbar. Die Schwarzwaldmilch-Gruppe reagierte hierauf mit der Politik „Klasse statt Masse“ und konnte somit wachsen.

 

Mit spitzem Stift eine eigene Käserei gerechnet: Andreas Schneider.

 

„Wir sind nie zufrieden und wollen auch nie Durchschnitt sein“, formulierte Schneider sein Credo. Seine Genossen dürften es ihm danken, denn obwohl Aufsichtsratschef Markus Kaiser erneut auf die schwierige Lage der Landwirtschaft hinwies, konnten die Milchbauern sich über den zweithöchsten Milchpreis in der Republik freuen: durchschnittlich 34,66 Cent brutto pro Kilo zahlt das Unternehmen; der durchschnittliche Bio-Milchauszahlungspreis betrug 52,02 Cent pro Kilo, weitere Erhöhungen seien geplant.

 

Dies dürfte auch Auslöser für Anfragen von Erzeugern aus dem Elsass, Bayern oder Nordrhein-Westfalen gewesen sein, die an die Schwarzwaldmilch liefern wollen. Dies widerspräche aber dem Selbstverständnis der Gruppe und beschädige den Markenkern, weshalb man solche Offerten abgewiesen habe. Aufgenommen habe man hingegen seit einigen Jahren einige Produzenten aus dem kürzlich an den französischen Milchgiganten Lactalis verkauften Erzeuger Omira.

 

Rund 10,5 Millionen Euro investierte die Schwarzwaldmilch 2016 in die Modernisierung und den Ausbau der Produktionsanlagen, zudem habe man am Bekanntheitsgrad der Marke gearbeitet und mit dem SC Freiburg einen ins Markenbild passenden Partner gefunden. Über die finanzielle Höhe des Engagements, das langfristig angelegt sei, wollte Schneider nichts sagen.

 

Mit spitzem Stift habe man die Frage einer eigenen Käserei durchgerechnet und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass sich hier eine Marken- und Marktnische auftue. Zwar sei noch kein endgültiger Beschluss des Aufsichtsrates erfolgt, das Gremium, so Kaiser, betrachte jedoch die Planung positiv, sodass voraussichtlich 2018 mit dem Bau einer „Käsemanufaktur“ begonnen werde. Dort sollen jährlich bis zu 1000 Tonnen „hochwertiger und hochpreisiger“ Käse gemacht werden, für die rund 10.000 Tonnen Milch benötigt würden. Die Kosten für den Neubau beliefen sich auf 7 bis 8,5 Millionen Euro. Über den Standort der Käserei wurde Stillschweigen bewahrt.

 

Im laufenden Jahr läuft es bislang auch gut: Bis Ende Mai habe man – im Vergleich zum Vorjahr – ein Umsatzplus von 12,5 Prozent erzielt und Schneider erwarte, dieses Plus bis Jahresende halten zu können. Seit Herbst gingen die Preise für Milchprodukte wieder nach oben – Ursache seien weniger Anlieferungen. Das tiefe Tal, so Schneider, sei durchschritten.

 

Text und Foto: Stefan Pawellek