Longboards made in Freiburg – eine Erfolgsgeschichte

Außer für Bollenhüte, Kuckucksuhren und Schinken ist der Schwarzwald auch für qualitativ hochwertige Longboards bekannt. Wie bitte? Die Rede ist von überlangen Skateboards, die viele in Gedanken eher am kalifornischen Strand als zwischen Tannen und Zapfen vermuten würden. Verantwortlich dafür ist Hartmut Olpp, dessen Firma „Hackbrett“ Boards herstellt, die europaweit in der Szene einen sehr hohen Stellenwert genießen. Quasi nebenbei hat „Hack“, so der Spitzname von Olpp, hier in Freiburg den Skateshop „Layback“ eröffnet, eine eigene Szene aufgebaut und ist ziemlich erfolgreich Weltcuprennen gefahren. Und demnächst möchte er auch noch Deutschlands erste, eigens für Longboarder reservierte Downhill-Strecke am Belchen eröffnen.

Hartmut Olpp ist Schwabe. Vielleicht ist er deswegen ja so bescheiden? „Reich wird man mit dem, was ich mache, nicht. Aber man kann auch mit wenig glücklich sein“, erklärt der Firmenboss glaubwürdig. Wenn man nur die Fakten hört, könnte man schon guten wirtschaftlichen Erfolg hinter dem Geschäftsmodell mit den Holzplanken vermuten: Seit zehn Jahren gibt es „Hackbrett“, in der Zeit ist das Unternehmen aus einer Hütte am Feldberg in einen Werkstattcontainer am alten Güterbahnhof gezogen, in dem Maschinen im Wert von über 100.000 Euro stehen. Olpp hat in der Innenstadt seinen eigenen Skateladen „Layback“ eröffnet, beschäftigt acht Mitarbeiter und vertreibt seine Produkte in ganz Europa.

Aber der gebürtige Bad Uracher ist keiner, der in seinem Geschäft ein reines Profitunternehmen sieht. Vielmehr lebt er seinen Traum. So ist es wenig verwunderlich, dass er Verträge mit seinen Angestellten mündlich vereinbart und das Haupt-Einstellungskriterium in der Firma sich auf das Hobby bezieht, wie der 36-Jährige feststellt: „Das wichtigste ist, dass man das Skaten lebt.“

Auf die Idee, Skateboards herzustellen, kam der studierte Mineraloge bei einem universitären Auslandsjahr in Neuseeland. Wieder zurück in Deutschland wusste er, wie er seinen Unterhalt verdienen will, und begann mit der Produktion. Ohne einen Abnehmer zu haben.

„Wir haben angefangen, hier in der Region Leute zu suchen, die longboarden – das war zu Beginn ganz schön schwierig“, erinnert er sich an die Anfänge. Also rief er einen Stammtisch ins Leben: Jeden Mittwochabend um Sieben auf dem Augustinerplatz trifft sich seither die Szene. Wobei von „Szene“ am Anfang kaum die Rede sein konnte. „Wir waren lange nur zu zweit.“ Dennoch wurden Leute auf die beiden Freaks mit den langen Rollbrettern aufmerksam – ein erster Kundenstamm keimte.

Hack beließ es für sich aber nicht bei den allwöchentlichen Rollrunden. „Ich wollte das, was ich auf dem Snowboard kann, auf die Straße übersetzen“, beschreibt er, wie er vom Hobbyroller zum Weltcup-Downhill-Boarder wurde. 2005 rangierte er in der Weltrangliste sogar auf Platz fünf. Noch heute fährt er ausgewählte Rennen, aber nicht mehr des Wettkampfes wegen. Nichtsdestotrotz hat er im vergangenen Jahr beim „Beton on Fire“ gewonnen, dem vielleicht härtesten Downhill-Rennen Europas, bei dem sich die Fahrer mit 75 Sachen die Bobrennbahn in Altenberg hinunterstürzen.

Auch dank der Kontakte, die er als Fahrer geknüpft hat, gehören die Hackbretter heute zu den angesagtesten Decks auf dem Kontinent. „Mittlerweile beliefern wir Shops im ganzen europäischen Raum“, sagt Olpp ohne vernehmbaren Stolz. Er ist Lebemann und Workaholic zugleich: „Alles, was ich tue, ist arbeiten und irgendwie auch nicht, für mich ist Skaten Arbeit und Hobby zugleich.“
Diesem Enthusiasmus könnte demnächst eine weitere Errungenschaft für die Szene entspringen: Am Belchen planen Hack und seine Leute eine ausschließlich für Longboarder reservierte Downhillstrecke. Noch ist nicht alles in trockenen Tüchern, daher gibt sich Olpp noch reserviert. Anders hätte man es ohnehin nicht von dem ruhigen, schwäbisch-schwarzwälderischen Geschäftsmann erwartet.

Text & Foto: Felix Holm