Die Freibadsaison ist eingeläutet. Das Strandbad ist bereits geöffnet, Mitte Mai wird das Lorettobad voraussichtlich die ersten Badegäste begrüßen. Doch auch in den vergangenen Wintermonaten gab es für dessen Bademeisterin Claudia Held einiges zu tun: Die 47-Jährige arbeitet seit 19 Jahren bei den Freiburger Regio Bädern und ist dort die einzige Meisterin in einem Freibad.

 

„Die Bezeichnung Bademeisterin ist nicht ganz korrekt. Ich bin Fachangestellte für Bäderbetriebe, Kinder dürfen aber noch gerne Bademeisterin sagen. Wir sind heute vieles gleichzeitig: Zuhörer, Regeldurchsetzer und Auskunftgeber. Doch mit der Trillerpfeife und einer Baywatch-Boje rennen wir hier nicht rum.

Bademeisterin Claudia Held

 

Als Frau muss ich meinen Mann stehen. Vom Körperlichen her ist es schon schwierig, denn gerade im Freibad muss man wetterbeständig sein. Außerdem ist mentale Stärke gefordert. Wir sind nicht fehlerfrei, und ich habe auch schon jemanden angepampt. Mir platzt mal der Kragen, wenn ich etwas zum hundertsten Mal sagen muss. Sobald es gegen Badeschluss geht, muss ich manchmal einen Pfiff bei den Jugendlichen loslassen: Hey, in fünf Minuten ist fertig!

 

Die Badesaison geht bis Mitte September, danach wird die ganze Anlage winterfest gemacht. Es gibt aber auch in den kalten Monaten einiges zu tun. Wir machen Vertretungen in sämtlichen Hallenbädern und ich gebe Schwimmkurse in Lehen und Hochdorf. Außerdem gibt es Fortbildungen, bei denen wir beispielsweise mehr über Reinigungsmittel oder Herz-Lungen-Wiederbelebung lernen. Der Winter geht so immer schnell rum, und ab dem ersten März beginnt schon wieder die Saisonvorbereitung.

 

Auch während der Saison sind wir Allrounder. Wir kümmern uns um die Technik, kontrollieren das Wasserund übernehmen die Aufsicht an den Becken. Manchmal bin ich an der Kasse, repariere etwas oder kümmere mich um ein Kind, das sich verletzt hat. Einen Krankenwagen müssen wir auch mal rufen. Ab und zu haben wir Gäste mit Hitzschlag oder Sonnenstich, eine richtige Wiederbelebung musste ich jedoch noch nie machen. Da habe ich aber Kollegen, die anderes erzählen können.

 

Ich war schon immer gerne Schwimmerin und habe viel Sport gemacht, doch während des Sommers gehe ich nur selten ins Wasser. Dafür fahre ich viel Fahrrad und gehe wandern. Ich sage immer: Ein Bäcker geht auch lieber beim Metzger einkaufen. Im Winter haben wir dann richtiges Schwimmtraining zum Fitbleiben. Die Anerkennung, die wir bekommen, ist toll und manche Badegäste backen uns auch mal einen Kuchen. Gerade wenn du mit Leuten zu tun hast, kann jeder Tag anders sein. Von mir aus könnte auch mal George Clooney ins Lorettobad kommen. Das wäre eine Gaudi.“

 

Text & Foto: Valeska Martin