16 Studenten, die bis abends um zehn in der Uni sitzen und Menschenrechte mit Füßen treten. Hier aber tagt keine faschistische Untergrundbewegung, vielmehr bereitet sich die NMUN-Delegation der Uni Freiburg auf ein Planspiel in New York vor. Beim National Model United Nations (NMUN) simulieren vom 24. bis zum 28. März rund 5000 Studenten die Arbeit der Vereinten Nationen, diskutieren aktuelle Themen der Weltpolitik oder suchen nach Lösungen für globale Probleme wie den Klimawandel. Jede Uni vertritt dabei einen der 193 Mitgliedsstaaten. Freiburg hat in diesem Jahr keine einfache Aufgabe gewählt und wird bei der Simulation Syrien vertreten. Politik-Student Alexander von Kulessa erklärt, warum sich die Freiburger ausgerechnet ein Land ausgesucht haben, das international in der Kritik steht.


„Syrien stand eigentlich bei keinem von uns ganz oben auf der Agenda. Dennoch haben wir uns nach einigen Diskussionen darauf geeinigt – einfach weil es eines der interessantesten Länder ist, in dessen Rolle man schlüpfen kann. Unsere Aufgabe ist nicht, die Politik zu bewerten, sondern sie zu vertreten – unabhängig davon, welcher Meinung wir persönlich sind. Da wir die politische Einstellung Syriens natürlich oft nicht teilen, ist das eine große Herausforderung, dafür werden wir in New York aber auch eher im Fokus stehen, als wenn wir eine kleine Südseeinsel vertreten würden.

Damit wir das Land richtig repräsentieren können, bereiten wir uns an der Uni sechs Stunden wöchentlich vor. Und weil das ja mit den anderen Unikursen vereinbar sein muss, gehen diese Sitzungen eben oft bis zehn Uhr abends. Außerdem kümmern wir uns eigenverantwortlich um die Organisation, die Pressearbeit und das Fundraising – alles in allem kommen da sicherlich zehn Stunden pro Woche zusammen. Aber der Aufwand lohnt sich, da wir wahnsinnig viel über die UN, Syrien und die Außenpolitik anderer Länder lernen.

Einen ersten Probelauf gab es im Dezember in Hamburg – sozusagen die New Yorker Simulation in klein – bei dem wir etwa das Diplomatenenglisch üben konnten. Um daran zu denken, dass man den Vorsitzenden mit „Honorable Chair“ anspricht und dass die anderen nicht die Kollegen, sondern „The Honorable Delegates of Syria“ sind, braucht man schon Übung.

Neben einer guten Vorbereitung kommt dann die Finanzierung. Mit 30.000 Euro wären alle Kosten abgedeckt, momentan haben wir durch Sponsoren rund 12.000 zusammen. Den Rest zahlen wir aus eigener Tasche, wofür viele von uns noch neben der Uni arbeiten gehen. Dafür geht es aber auch schon eine Woche früher nach New York, so dass neben dem Besuch der deutschen und syrischen Botschaften zumindest noch etwas Zeit fürs Sightseeing bleibt.“

Text & Foto: Tanja Bruckert